"Costa-Concordia": Vor Gericht erscheint ein braungebrannter Schettino
Schuld sind die anderen

Rund 15 Monate nach der Havarie der "Costa Concordia" haben die ersten Voranhörungen zu dem Unglück begonnen. Die Richter im toskanischen Grosseto sollen entscheiden, ob es einen Prozess gegen den Unglückskapitän Francesco Schettino und fünf weitere Beschuldigte geben wird.

Die Liste der Vorwürfe gegen sie ist lang, darunter fahrlässige Tötung und Körperverletzung, Havarie und das Verlassen des Schiffes. Bis Juli wurden bereits Anhörungstermine festgelegt, die Entscheidung könnte Monate dauern. Schettino erschien am Montag braungebrannt vor dem Gericht, äußerte sich aber nicht.

Die Staatsanwaltschaft hatte im Februar gefordert, ein Verfahren gegen Schettino, zwei Offiziere, den indonesischen Steuermann, den "Costa"-Krisendirektor und den Hotelmanager des Schiffes zu eröffnen. Bei dem Unglück im Januar 2012 starben 32 Menschen. Hunderte Opfer und Angehörige, die Insel-Kommune Giglio und die Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere wollen in dem Prozess als Nebenkläger auftreten. Die Insel Giglio verlangt 80 Millionen Euro für die Schäden, die der Gemeinde durch die Havarie entstanden sind. Ein Opfer-Anwalt kündigte an, 500 000 Euro Schadenersatz für jeden Betroffenen zu fordern. Viele der Opfer haben jedoch ein pauschales Entschädigungsangebot der Reederei von etwa 11 000 Euro angenommen.

Firma kauft sich frei

Gegen die Kreuzfahrtgesellschaft wird es kein Verfahren geben. Sie hatte sich vergangene Woche mit dem Gericht auf einen Vergleich geeinigt und damit ihre Mitschuld anerkannt, sich aber auch von einem möglichen Prozess freigekauft. Sie muss eine Strafe von einer Million Euro für das Fehlverhalten ihrer Mitarbeiter zahlen. Die "Costa Concordia" war am 13. Januar 2012 vor der Küste der Insel Giglio auf einen Felsen gefahren, wurde aufgeschlitzt und kenterte. Von den mehr als 4200 Menschen an Bord starben 32, unter ihnen 12 Deutsche. Zwei Opfer werden immer noch vermisst.

Schettino wird vorgeworfen, den 290-Meter-Koloss aus Leichtsinn zu nah an die Küste gesteuert und ihn dann verlassen zu haben, noch bevor die Passagiere gerettet werden konnten. Der Kapitän kam am Montag im blau-grauen Anzug zum Gericht und ging wortlos an den Journalisten vorbei. Schettino bestreitet, für das Unglück verantwortlich zu sein, und beschuldigt den Steuermann sowie die Kreuzfahrtgesellschaft. "Er hat Anweisungen gegeben, das Schiff einen Kilometer von dem Felsen entfernt zu halten, es war ein Fehler des Steuermannes", sagte Schettinos Anwalt.
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