Der Chamer Stadtrat will Hallenkauf der NPD verhindern
Widerstand nach dem Grafenwöhrer Modell

Bereits zum zweiten Mal binnen eines Jahres geht in der Oberpfalz eine Stadt gegen Rechts auf die Barrikaden. Nachdem im vergangenen Jahr ein Parteizentrum der NPD in Grafenwöhr gerade noch vereitelt werden konnte, haben die Extremisten nun die Kreisstadt Cham im Visier. Dort hat der NPD-Funktionär Uwe Meenen vor wenigen Wochen einen Kaufvertrag für ein hallenähnliches Gebäude abgeschlossen. Seitdem befindet sich die beschauliche 17 000- Einwohner-Stadt in hellem Aufruhr. "Wir wollen solche Leute nicht bei uns haben", sagt Landrat Theo Zellner (CSU). Stadt, Landkreis und Kirchen leisten gemeinsam Widerstand gegen den "braunen Sumpf".

Bis zu 10 000 Bürger werden bei einer Demonstration am Pfingstsamstag (3.Juni) erwartet, es könnte eine der größten Kundgebungen in den vergangenen beiden Jahrzehnten in Ostbayern werden. Die Stadt will mit allen rechtlichen Mitteln die landesweite NPD-Zentrale verhindern: Die Stadtverwaltung will ihr Vorkaufsrecht geltend machen und das heruntergekommene Gebäude, in dem früher ein Supermarkt und eine Diskothek untergebracht waren, selbst kaufen. Am Donnerstag werden die Stadträte darüber abstimmen, eine Zustimmung gilt allerdings als sicher. Auch Grafenwöhr hatte für 545 000 Euro eine alte Tennishalle erworben, damit diese nicht den Rechten in die Hände fällt. Doch in Cham könnte der hohe Preis für das Gelände zum Problem werden. Der Würzburger NPD-Kreisvorsitzende Uwe Meenen, der das Gebäude von einem Schwandorfer Geschäftsmann erwerben will, soll mehr als eine Million Euro für das Gebäude zahlen wollen. Bereits in der Vergangenheit war die Stadt an dem Areal interessiert, um es für den Hochwasserschutz zu nutzen. Doch mittlerweile ist der Preis deutlich gestiegen. Dabei glauben die Experten des bayerischen Verfassungsschutzes, dass weder der Käufer Meenen noch der Landesverband der NPD genügend Geld dafür haben.

Die Stadt gerät dennoch in die Bredouille zwischen dem Widerstand gegen Rechtsextremismus und dem sorgfältigen Umgang mit Steuergeldern. "Wir müssen prüfen, welcher Preis angemessen ist, sonst nimmt sich in Zukunft jeder einen Strohmann und macht Erpressung", sagt Bürgermeister Leo Hackenspiel (Freie Wähler). Im Internet diskutiert die rechte Szene bereits, ob eine derartige Vorgehensweise ein Modell für die Zukunft sein könne. Auf dem für 17. Juni geplanten "Bayerntag" sollen Bands mit Namen wie "Hauptkampflinie" und "Burning Hate" (Brennender Hass) auftreten.