24.09.2011 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Der Naturpark gestaltet und bewahrt mehr als 40 Jahre lang eine einzigartige Landschaft Filmkulisse Steinwald

Ein laues Lüftchen weht über die Höhenzüge der Grenzmühle. Rotvieh, intensiv gefärbt vom warmen Abendlicht, steht auf dem Kamm der Bärnhöhe und grast friedlich. Schnell ins Schwärmen kann der Mensch kommen, der den Steinwald wachen Auges durchwandert.

von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Dass sich die Gegend so grandios präsentiert, ist nicht zuletzt dem Naturpark Steinwald zu verdanken, der seit 1970 emsig daran arbeitet, die Landschaft optimal zu gestalten und zu erhalten sowie die Tier- und Pflanzenwelt zu schützen. Die bisherigen Ergebnisse bescheinigen eine große Erfolgsgeschichte.

Drei Arten-Hilfsprojekte

An drei Arten-Hilfsprojekten für die Leitarten Arnika, Flussperlmuschel und Kreuzotter wird seit Jahren ehrgeizig gearbeitet. Aber nicht nur die Leitarten selbst, sondern alles was in ihrem Biotop vorkommt, haben von zahlreichen Maßnahmen der Verantwortlichen des Naturparks profitiert. Alle Aktionen sind mit drei Personen eng verknüpft. Das sind der Geschäftsführer Ernst Tippmann, Vorsitzender, Eberhard von Gemmingen-Hornberg und Landschaftsarchitekt Robert Mertl.

Infostellen im Aufbau

Damit sich die zahlreichen Gäste, die den Steinwald in alle Himmelsrichtungen durchwandern, nicht nur an der traumhaften Landschaft erfreuen können, sondern auch wertvolle Informationen über die verwirklichten Projekte erhalten, entstehen nach und nach vier Infostellen. In Richtung Süden an der Grenzmühle bei Friedenfels, in westlicher Richtung beim Erbendorfer Waldhaus, im Norden in der Glasschleife bei Pullenreuth und im Osten in Fuchsmühl beim ehemaligen Gasthaus Tretter. Das Areal um die Grenzmühle ist landschaftlich gesehen sicherlich ein Publikumsmagnet. Bewirtschaftet wird es von Landwirt Josef Schmidt. Filmreif präsentiert sich hier der Steinwald. Rotes Höhenvieh weidet am Hang. Weiter unten fließt der Grenzbach vorbei.

Kraftwerk Baum

Hinter der denkmalgeschützten Glasschleife findet der Besucher eine renaturierte Ökowiese. In Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb Waldsassen ist dort auch ein Themenweg zu den Fachgebieten Geologie, Waldbewirtschaftung und Ökologie geplant. Dabei arbeitet der Naturpark eng mit dem Geopark Bayern-Böhmen zusammen. In Fuchsmühl hat Förster Eckhard Deutschländer beim Walderlebnispfad ein Monument zum Thema Kraftwerk Baum konzipiert.

Bachforelle vermehrt sich

Die Durchführung notwendiger Maßnahmen erfolgt auf Grundlage eines Pflege- und Entwicklungsplanes. Schon 2000 wurde mit Pflegemaßnahmen zur Bestandssicherung der Flussperlmuschel begonnen. Langzeitbeobachtungen zeigten Anfang der 1980er Jahre einen radikalen Einbruch der Bestände von ehemals mehreren tausend Exemplaren auf einige Hundert. Seither wird an der Verbesserung der Gewässerstruktur gearbeitet. Erfolgreich, denn mittlerweile vermehrt sich die Bachforelle wieder natürlich. Die Muscheln sind bei ihrer komplizierten Fortpflanzung auf diese Fischart angewiesen.

Erfolge bei Kreuzotter

Seit 2009 setzt sich der Naturpark Steinwald massiv für die Förderung der stark gefährdeten Kreuzotter ein. Biotopverbesserungsmaßnahmen, ausgearbeitet vom bayerischen Kreuzotter-Experten, Dr. Wolfgang Völkl, lassen für die einzige heimische Giftschlange im Steinwald hoffen. In Friedenfels, bei Pfaben und in Fuchsmühl tragen die Maßnahmen Früchte. Im Wiesauer Teichgebiet ist ebenfalls ein Projekt geplant. Die Arnika steht in der Region auf sehr "dünnen Beinen", weil ihr die richtigen Standorte fehlen. Landschaftsarchitekt Robert Mertl hat eine artenschutzrechtliche Genehmigung zum Abnehmen der Samen und Wiederausbringung der Jungpflanzen.

Seinen Maßnahmen und diversen Standortverbesserungen ist es zu verdanken, dass die seltene Pflanze in Friedenfels gleich auf vier Standorten, in Fuchsmühl auf einer Streuobstwiese und in Pullenreuth im Bereich der Glasschleife wieder üppiger gedeiht. Von den mageren Borstgrasrasen profitieren auch seltene Arten wie das Waldläusekraut oder das Kreuzblümchen.

Projekt Feuersalamander

Das neueste Projekt befasst sich mit dem Feuersalamander. Wenige Nachweise sind vorhanden. Im Bereich Trevesen, Waldeck, Fuchsmühl und Voitenthan wurden einzelne Exemplare der schwarz-gelben Salamander nachgewiesen. Naturpark-Geschäftsführer Ernst Tippmann freut sich auf Nachrichten über Beobachtungen des seltenen Lurches. Meldungen nimmt er telefonisch unter : 09634/920912 entgegen.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.naturpark-steinwald.de

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