Der Verbraucher ist gefordert
Weide statt Stall fürs Rind

Bild: dpa
Gemütlich grasen die Kühe auf der Wiese - ein idyllisches Bild, mit dem vor allem Oberbayern und das Allgäu um Touristen werben. Damit aber auch anderswo in Bayern Rinder auf der Weide gehalten werden können, müssen die Verbraucher mehr Geld fürs Fleisch ausgeben.

Bayreuth. (dpa/lby) Die Weidehaltung von Rindern könnte nach Expertenansicht in Bayern weiter an Bedeutung gewinnen - vorausgesetzt, der Verbraucher ist bereit, für bessere Fleischqualität auch mehr zu bezahlen. «Man muss die Wertigkeit dieses Fleisches herausstellen», sagte Rainer Prischenk, Leiter der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Oberfranken in Bayreuth. Das Gut
ist der zentrale Forschungsstandort in Bayern für Mutterkuhhaltung auf der Weide.

Eine deutliche Zunahme der Weidehaltung sei derzeit zwar nicht feststellbar, räumte Prischenk ein. «Aber es interessieren sich mehr Landwirte dafür, ein leichter Trend ist schon erkennbar.»

Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) hatte erst kürzlich erklärt, dass er die Weideprämie erhöhen möchte. Landwirte, die ihre Rinder draußen anstatt im Stall halten, könnten mehr Geld vom Staat bekommen. Nach Angaben der Landesanstalt für Landwirtschaft werden 20 Prozent des Grünlandes in Bayern beweidet - entweder von Kühen oder von Schafen.

Der Aufwand der Weidehaltung sei nicht zu unterschätzen, betonte der Bayreuther Gutsleiter Martin Höpfel. «Weide bedeutet Arbeit.» Die Einzäunung und die Wasserversorgung der Tiere müssten regelmäßig kontrolliert werden, auch müsse die Weide vom Hof aus gut erreichbar sein. Und: Die Tierhaltung allein genüge nicht, um wirtschaftlichen Erfolg mit dieser Bewirtschaftungsart zu erzielen. «Ein professioneller Vermarkter muss mehr verkaufen als nur das Stück Rindfleisch», betonte Prischenk. Das Ambiente und der Service müssten
stimmen, auch müsse auf die Vorzüge der Weidehaltung deutlich hingewiesen werden. «Das Gesamtbild muss passen.»

Auch die Wissenschaft beschäftigt sich mit dem Thema. Derzeit gibt es laut Prischenk und Höpfel Diskussionen darüber, ob man Weidetiere nicht erst in den Schlachthof fährt, sondern per Kopfschuss direkt auf der Weide tötet. Das Tier sterbe stressfrei, argumentierte Höpfel. Weidevieh habe kaum Kontakt zu Menschen, ein Transport zum Schlachthof bedeute großen Stress für das Tier. Das könne sich auch auf die Fleischqualität auswirken. An der Uni Kassel laufen derzeit Untersuchungen zu diesem Thema.

Bei einem Aktionstag an diesem Sonntag (21. April) will das oberfränkische Lehrgut detailliert über die Weidehaltung informieren. Verbraucher und Landwirte können beispielsweise zwölf verschiedene Rinderrassen kennenlernen und Hütehunden bei ihrer Arbeit zuschauen.
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