30.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

"Diabolus in musica" mit dem Ensemble "Consolazione" in Mlynec Teuflisch gutes Konzert

Eher als bedeutende Autobahnausfahrt, denn als Konzertkleinod ist der verträumte Ort in Böhmen ein Begriff. Dies änderte sich am Donnerstagabend, als ein weiterer Programmteil des "8. Musikalischen Sommers" der Pfarrei Bor noch einmal ganz nah an die böhmisch-oberpfälzische Grenze heranrückte.

von Josef ForsterProfil

In sich hatten es die beiden Stunden mit dem Ensemble "Consolazione". Der mystisch umschriebene Titel "Diabolus in musica" weckte ein unerwartetes und auch grenzenloses Interesse beim Publikum. Dieses hielt sich zwischen beiden Nationen erstmals die Waage, wobei sich auch die Deutschen heimisch fühlen durften. In großen, frisch renovierten Buchstaben stand unübersehbar an der Decke des Chorraums: "Ehre sei Gott in der Höhe."

Außerdem suchten die Musiker immer wieder einmal Blickkontakt mit den Zuhörern und ein gemeinsames Lächeln war oft die Folge. Durch eine tadellose Moderation in Tschechisch und Deutsch vervollständigte Flötist Karel Valter das Klangerlebnis. Er hatte viel zu erzählen. Das reichte vom Komponisten über die Instrumente bis hin zu einer ausführlichen Erklärung des Mottos.

Deutete Pfarrer Vladimir Born in seiner Begrüßung den Zusammenhang zwischen dem Namen des Komponisten und dem Titel nur vage an, so ging Valter hierzu in die Vollen. Er verriet zur österreichischen Herkunft von Anton Diabelli dessen eigentlichen Familiennamen Dämon. Ob sich der im 19. Jahrhundert lebende Künstler seinem Namen verpflichtet fühlte, wusste Valter nicht.

Doch er informierte die Zuhörer über ganz andere erstaunliche Dinge. So gelte Diabelli vor allem als Meister von Kompositionen, welche mit spitzbübischen Noten- und Tonwechseln einhergingen. Er sei es auch gewesen, der das Verkaufen von Noten mit einem Verlag ins Leben gerufen habe. Viele zeitgenössische Komponisten seien deshalb nicht nur mit ihm befreundet gewesen, sondern auch bei ihm unter Vertrag gestanden.

Und dieser Umstand habe Diabelli wohl noch zu etwas ganz Besonderem verholfen, nämlich "den ersten Welthit". 51 Komponisten und Pianisten, darunter namhafte wie Ludwig van Beethoven, Franz Schubert und Franz Liszt, hätten noch zu Lebzeiten Diabellis eigene Variationen geschrieben.

Wie verschmitzt manche Werke ausfielen - und damit das Motto des Abends rechtfertigten - zeigte das Trio in mannigfaltiger Weise. Das Larghetto aus der "Premiere Grande Serenade" erinnerte beispielsweise mehr an eine alpenländische Volksweise und die "Marcia" kam mit mindestens 25 Schlussakkorden daher, so dass im Publikum viele mehrmals zum Applaus ansetzten.

Doch auch ganz liebliche Kompositionen ohne jegliche Ausfälle zählten zum Repertoire, etwa das "Tempo die Menuetto" aus der "Grande Serenata". Mit Violinistin Anna Veverková verfügte das Ensemble über eine ausgezeichnete Mitspielerin, die begleitend wie solistisch hervorragend für Stimmungen sorgte. Gitarrist Jan Tulácek leitete hingegen in weiten Teilen jene Passagen, welche das Schelmenhafte in der Musik Diabellis verkörpern.

Nach dem großen Beifall des beeindruckten Publikums war es ein Leichtes für Pfarrer Born, für Donnerstag, 28. August, zum nächsten Konzert nach Damnov einzuladen. Noch dazu, wo es sich mit dem "Kollegium Klatovy" um einen äußerst bekannten Chor handelt.

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