30.04.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Die Angst überwinden im Hochseilgarten Tännesberg Pures Adrenalin in luftigen Höhen

Noch ist die Gruppe recht schweigsam. Fast ehrfürchtig wandern 14 Augenpaare den zehn Meter hohen Holzpfahl hinauf. "Ihr seid gesichert, es kann gar nichts passieren", sagt Bettina Röstow. Eines der Regensburger Mädchen fasst sich schließlich ein Herz: "Ich fange an." Sonntagnachmittag im Hochseilgarten in Tännesberg. Alle zwei Wochen finden hier Schnupperkurse statt, zu denen sich auch Einzelpersonenen anmelden können.

Entspannung pur: Nach knapp einer Stunde hat niemand mehr Angst in der Höhe. (Bild: Lowak)
von Michaela Lowak Kontakt Profil

13 Frauen zwischen 20 und 40 Jahren sowie ein zwölfjähriger Bub wollen sich heute in luftige Höhen wagen. Viele haben einen Gutschein zu Ostern oder zum Geburtstag geschenkt bekommen. "Geht noch einmal aufs Klo, bevor ihr den Klettergurt anzieht", mahnt die Trainerin. "So schnell gibt's dann keine Gelegenheit mehr."

Die Gruppe wird von Bettina Röstow und Beate Uschold betreut, beide ausgebildete Trainerinnen bei Te-pa, dem Unternehmen, das den Hochseilgarten betreibt. Zunächst wird am Boden geübt, wie sich jeder selbst sichern kann. "Das ist wichtig, wer aus zehn Metern runterfällt, kann tot sein." Obwohl sich alle darauf freuen, endlich den Parcour auszuprobieren, haben die meisten dennoch weiche Knie, als sie sich an den schmalen Steigeisen den Holzstamm hinauf hangeln. Oben bläst ein kalter Ostwind, der die ganze Anlage leicht vibrieren lässt. "Keine Panik, Holz arbeitet", sagt die Trainerin schmunzelnd.

Von einer Plattform aus können sich die Teilnehmer jetzt jeweils in Zweier-Teams auf den Weg machen. Dass niemand alleine durch den Parcour klettert, ist ein ganz wichtiger Sicherheitsaspekt, denn einer gibt auf den anderen acht, ob dieser immer richtig gesichert ist. Doch wo anfangen? Mit der wackelige Hängebrücke? Den beiden nebeneinander herlaufenden Holzbalken? Oder den schwingenden Seilen?

Regina aus Schwarzenfeld, die mit ihren Töchtern Verena und Simone gekommen ist, weiß nicht so recht, wie sie beginnen soll. "Ich muss mich an die Höhe erst gewöhnen", sagt sie. Schließlich gibt sie sich doch einen Ruck und wagt den ersten Schritt ins Ungewisse. Unten steht die Mutter des zwölfjährigen Christophs aus Hirschau und winkt ihm zu: "Ich wäre auch gerne geklettert, aber ich trau mich wegen meiner Bandscheibe nicht", erzählt sie.

Insgesamt dauert der Schnupperkurs vier Stunden. Er beinhaltet eine Einweisung in die Sicherheitsvorschriften, das Klettern und Ausprobieren im zehn Meter hohen Parcour, eine rasante Fahrt mit Seilbahn und das Schwingen auf einer überdimensionalen Schaukel. Nach knapp einer Stunde hat niemand mehr Angst vor der Höhe. "Man macht es einfach", sagt Carola aus Bayreuth, die zusammen mit Freundin Birgit angereist ist. "Es ist interessant, wie man sich nach einiger Zeit überwindet."

Die Regensburgerinnen sind besonders mutig. Zwei von ihnen wagen sich sogar an die schwierige Partnerübung, die nur funktioniert, wenn beide absolute Körperspannung zeigen, wenn einer nachlässt ist's vorbei.

Der erste Versuch geht schief und die Mädchen zappeln am Seil. Trainerin Bettina Röstow zeigt, wie's funktioniert. "Sonst sind wir immer nur essen gegangen", meint Andrea aus Regensburg. "Wir sind Kolleginnen in einem Kindergarten. Das heute ist mal was ganz anderes. Es macht Spaß und man kommt an seine Grenzen."

Angst hat mittlerweile niemand mehr. Und den am Boden zurückgeblieben Familienmitgliedern oder Zuschauern tut es leid, nicht selbst dabei gewesen zu sein. Mit einer Seilbahn geht's zurück auf sicheres Terrain. Die rasante Fahrt löst Kribbeln im Magen aus. Strahlende Gesichter weit und breit. Doch der Höhepunkt kommt erst noch. "Die Riesenschaukel ist toll", verspricht Bettina Röstow.

Einzeln darf's jeder ausprobieren. Mit samt dem Gurtzeug wird die erste Mutige von den anderen nach oben gezogen. Sabine zieht den Auslösmechanismus. "Eins, zwei, drei." Sie schwingt nach unten und wieder hinauf Richtung Wald. Ihr Freudenschrei hallt durch den Wald. "Das war der Hammer, Adrenalin pur."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.