05.04.2011 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Die katholische Uni Eichstätt will ihren Interimspräsidenten halten Nothelfer und Hoffnungsträger

Andreas Lob-Hüdepohl. Bild: nt/az
von Agentur KNAProfil

An der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) steht die Neuwahl eines Präsidenten an. An sich eine Formsache - wäre es nicht schon der dritte Anlauf in vier Jahren. "Ich vertraue, dass es diesmal klappt", sagt der Senatsvorsitzende Joachim Thomas. Und um seine Zuversicht zu untermauern, bemüht der Psychologieprofessor ein afrikanisches Sprichwort: "Blicke der Sonne entgegen, und die Schatten fallen hinter dich."

Der neue Optimismus an der KU hat einen Namen, der noch gar nicht auf der Kandidatenliste steht. Er heißt Andreas Lob-Hüdepohl. Vor eineinhalb Jahren holten ihn die bayerischen Bischöfe in höchster Bedrängnis aus Berlin als Interimspräsidenten an die KU. Zuvor waren zwei Ernennungen nach erfolgter Wahl gescheitert, hatte sich schon eine andere Übergangsleitung aufgerieben: Zeichen einer veritablen Führungskrise. Der 50-jährige Moraltheologe mit der roten Lockenmähne ist in kurzer Zeit vom Nothelfer zum Hoffnungsträger avanciert. Am 30. September endet seine Beurlaubung durch die Katholische Hochschule für Sozialwesen in der Bundeshauptstadt, deren Rektor er zwölf Jahre war. Lob-Hüdepohl hätte nichts dagegen gehabt, an die Spree zurückzukehren, wo seine Frau lebt und arbeitet. Doch nun will man ihn in Eichstätt gar nicht mehr gehen lassen.
Über die Hälfte der rund 120 Professoren hat ihn in den vergangenen Wochen gebeten zu bleiben - schriftlich. Sieben der acht Dekane wollen ihn als ihren Kandidaten nachnominieren. Das Liebeswerben ist so heftig, dass der Gemeinte kaum umhin kann, ihm nachzugeben. Auch wenn er sich eine Entscheidung noch vorbehält. Und es noch vier andere Bewerber gibt. Zu vieles ist dem quirligen Hochschulmanager in den vergangenen Monaten gelungen. Er hat Misstrauen und Kommunikationsdefizite abgebaut. Im Oktober stimmte der Hochschulrat dem Entwurf für eine neue Grundordnung zu. Ohne Enthaltung, was Lob-Hüdepohl durchaus mit Stolz erfüllt.

An der Universität ist Aufbruchstimmung eingekehrt. Sie wird offenbar auch dadurch nicht getrübt, dass der Träger ihr einiges zumutet, zum Beispiel die Bildung von Schwerpunkten in Forschung und Lehre, sogenannte Cluster. Im Endeffekt wird sich in den nächsten drei bis vier Jahren die Zahl der acht Fakultäten wohl halbieren. So steht es in einem Anfang Januar vom neuen Magnus Cancellarius, dem Münchner Kardinal Reinhard Marx, unterzeichneten "Eckpunktepapier für Zielvereinbarungen".

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