20.09.2007 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Drama in der Berchtesgadener Alpen auf über 2000 Metern Höhe - Hüttenwirt und Gäste bergen ... Bergsteiger versinken im Schnee: Amberger tot

Das Riemannhaus (2177 Meter über Null) in den Berchtesgadener Alpen. Von hier aus waren die drei Männer aus Amberg und dem Landkreis am Dienstagnachmittag aufgebrochen. Nach dreieinhalb Stunden wollten sie auf der Ingolstädter Hütte sein - die private Wandertour wurde zum Verhängnis. Bild: nt/az
von Uli Piehler Kontakt Profil

Die rettende Hütte war schon in Sichtweite, die drei Bergwanderer aus Amberg und Umgebung hätten nur noch 500 Meter gehen müssen, dann wären sie in Sicherheit gewesen. Aber der Schnee, der auf der Dießbachscharte gefallen war, war zu tief. Zwei der Männer vermochten keinen Schritt mehr vor den anderen zu setzen. Sie mussten vom Freund der Hüttenwirtin und zufällig anwesenden Arbeitern geborgen werden. Ein lediger 43-jähriger Amberger starb an Unterkühlung und Erschöpfung.

Zuerst leichter Schneefall

Das Bergdrama ereignete sich am Dienstagabend unweit des Ingolstädter Hauses (2119 Meter über Null) auf der österreichischen Seite der Berchtesgadener Alpen. Ein 36-jähriger Techniker aus Kümmersbruck, ein 41-jähriger Berufskollege aus Gebenbach und der 43 Jahre alte Werkzeugmacher aus Amberg waren nach der Mittagsrast vom Riemannhaus (2177 Meter über Null) aus zu der beliebten Hütte auf der Dießbachscharte aufgebrochen.

Der Höhenweg - er ist in Bergsteigerkreisen als "Eichstätter Weg" bekannt - ist unter normalen Bedingungen in etwa dreieinhalb Stunden zu schaffen. Beim Abmarsch gegen 13.15 Uhr schneite es leicht. "Es war am Anfang kein Problem, den Weg zu finden", erklärte ein Sprecher der zuständigen Polizeiinspektion Lofer.

Dann jedoch wurde das Schneetreiben immer dichter. Der 43-Jährige ging als erfahrenster Bergsteiger voraus und trat den Schnee für seine nachfolgenden Kameraden fest. In der Mitte ging nach Polizeiangaben der 36-Jährige, am Schluss der 41-Jährige. Etwa auf halber Strecke, am mit 2309 Metern höchsten Punkt des Weges, wurde den drei Männern klar, dass sie das Wetter gehörig unterschätzt hatten. "Sie dachten ans umkehren", berichtete der Sprecher. "Aber der Weg erschien ihnen zu weit."

Im tiefen Schnee seien sie nur noch sehr langsam vorangekommen. "Sie brachen schließlich bis zu den Hüften ein und fanden den Weg nicht mehr." Nach stundenlangem kräftezehrendem Stapfen durch den Tiefschnee habe einer der Drei auf einem Hügel eine Markierungsstange ausmachen können. Er sei zu ihr aufgestiegen und habe von dort aus bereits das Ingolstädter Haus sehen können. Weil er nicht mehr imstande war weiterzugehen, soll der 43-jährige Amberger den sechs Jahre jüngeren Kümmersbrucker losgeschickt haben, um Hilfe zu holen.

Gegen 21 Uhr kam der Hilfesuchende in der Hütte an und schlug Alarm. Wirtin Sylvia Gruber verständigte die Bergrettung in Saalfelden. Ihr Freund und eine Gruppe von Arbeitern machten sich derweil auf die Suche nach den beiden anderen Oberpfälzern. Zunächst mit Erfolg: "Unter schwierigsten Bedingungen, bei Schneesturm und Dunkelheit", wie der Polizeisprecher berichtete, brachten die Helfer die beiden erschöpften und völlig unterkühlten Männer zur Hütte. Beide waren nicht mehr ansprechbar, ihre Körpertemperaturen waren auf unter 30 Grad gesunken.

Mittelschwerer Weg

Alle Bemühungen eines Notarztes, das Leben des 43-jährigen Ambergers zu retten, scheiterten. Er starb in der Nacht im Ingolstädter Haus. Der Mann aus Gebenbach schwebte stundenlang in Lebensgefahr. Am Mittwoch bei Tagesanbruch konnte er, nachdem sich der Nebel gelichtet hatte, von einem Hubschrauber in das Landeskrankenhaus Salzburg gebracht werden.

Der "Eichstätter Weg", der parallel zum Gipfelkamm zwischen Breithorn und Schindlkopf verläuft, gilt als mittelschwerer Höhenweg. Die Ingolstädter Hütte wird seit ihrer Errichtung vor 78 Jahren von der Sektion Ingolstadt des Deutschen Alpenvereins unterhalten. Sie verfügt über zehn Betten in Zimmern und 75 Schlafplätzen im Matratzenlager.

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