01.10.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Drei Bahnbetreiber bewerben sich um Zugverbindung Hof-München - Entscheidung im Oktober Bahn frei für "Ostbayern-Express"

Der Zug fährt ein zweites Mal an: Nachdem die erste Ausschreibung für eine durchgängige Zugverbindung Hof-München als Ersatz für den Interregio 25 im Sand verlaufen ist, hat die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) neue Angebote eingesammelt. Neben der Deutschen Bahn sind zwei weitere Bewerber im Rennen.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Auch die britischen Eisenbahnkonzerne Connex und Arriva haben bei der BEG ihre Unterlagen eingereicht. Das bestätigten Sprecher der beiden Unternehmen. Arriva zeigt bereits Flagge in der Region. Die britische Konzern-Mutter hält seit dem vergangenen Jahr 76,9 Prozent der Aktien der Regentalbahn AG, die wiederum die Vogtlandbahn betreibt. Vorstandsvorsitzender Tobias Richter hält sich bedeckt. "Wir warten jetzt die Wertung der BEG ab. Sie soll ungestört arbeiten können." Für den Konkurrenten Connex wäre die 280 Kilometer lange Strecke quer durch Bayern Neuland: Connex betreibt vor allem Strecken in Ostdeutschland und ist im Freistaat lediglich mit der "Bayerischen Oberlandbahn" zwischen Bayrischzell und München vertreten. Connex-Sprecher Matthias Roeser lässt sich keine Details entlocken. "Wir haben ein Angebot abgegeben, das den Anforderungen entspricht", sagt er. Diese Anforderungen sind nicht ganz ohne. Die BEG verlangt eine zweistündige Verbindung zwischen Schwandorf und der Landeshauptstadt, einen Bistrowagen und mindestens einen Waggon, in den auch Rollstuhlfahrer problemlos einsteigen und die Toilette nutzen können.

Strategische Bedeutung

Diesen Vorgaben sehen sich alle Bewerber gewachsen - auch die Deutsche Bahn, die ihre Verwurzelung in der Region betont. Sie will mit einem Zug punkten, den sie "Ostbayern-Express" nennt. Die herkömmlichen Interregio-Wagen sollen dafür umgerüstet werden. "Für uns ist diese Strecke - allein schon wegen der Länge - von strategischer Bedeutung", sagt der Ausschreibungs-Experte der Deutschen Bahn, Ralf Urban. Fristgerecht habe sein Haus ein 153-seitiges Angebot abgegeben. 20 Mitarbeiter hätten fünf Monate lang daran gearbeitet. Die Bahn wirbt intensiv um den Zuschlag. Er würde zur Auslastung ihrer Regensburger Werkstatt beitragen und 60 Arbeitsplätze in Ostbayern sichern, erklärt der Leiter von DB-Regio Ostbayern, Walter Karr bei einem Redaktionsbesuch.

Pünktlichkeit und Service

Doch auch bei einem Auftrag für die Mitbewerber würde Wertschöpfung in der Region bleiben. Allein die Regentalbahn AG beschäftigt nach eigenen Angaben rund 400 Mitarbeiter in Bayern, Sachsen und Thüringen. Connex unterhält in Oberbayern 140 Arbeitsplätze und müsste bei einem Zuschlag auch in der Oberpfalz Mitarbeiter rekrutieren. Die BEG plant und bestellt im Auftrag des Wirtschaftsministeriums den gesamten Schienenverkehr für Bayern. Mitte Oktober berät der BEG-Aufsichtsrat über die Vergabe. Im November rechnen die Bewerber mit dem Ergebnis. Der Auftrag wird für zehn Jahre vergeben, Betriebsstart soll am 8. Dezember 2007 sein.

Das Wirtschaftsministerium gibt keine Auskünfte zu dem Ausschreibungsverfahren. Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) lässt über seine Pressestelle nur erklären: "Der Freistaat erwartet sich eine hohe Angebotsqualität zu angemessenen Preisen. Die Kunden sollen von Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Service profitieren." Genau das fordert der Fahrgastverband "Pro Bahn" seit langem ein. Er hatte heftig protestiert, als die Bahn die Interregio-Verbindung Leipzig-Regensburg-München Mitte Juni 2001 einstellte. Bereits zwei Wochen später legte der Verband ein Konzept für eine Ersatzlösung vor - mit dem Titel "Ostbayern Express". Ein Begriff, an dem die Bahn vier Jahre später offenbar Gefallen gefunden hat.

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