16.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Ebola in Westafrika: Weltgesundheitsorganisation geht von hoher Dunkelziffer aus Epidemie schlimmer als bekannt

Die Ebola-Epidemie in Westafrika könnte noch weit schlimmer sein als bisher angenommen. Mitarbeiter hätten in den betroffenen Gebieten Hinweise dafür gefunden, dass die tatsächlichen Zahlen zu Krankheitsfällen und Opfern weit höher liegen als bekannt, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit.

Ein Mann steht neben dem Sarg von Dr. Modupeh Cole in Sierra Leone. Cole wurde in den USA ausgebildet und galt als führender Ebola-Mediziner. Jetzt starb er an der Krankheit. Inzwischen vermutet die Weltgesundheitsorganisation, dass die tatsächliche Zahl der Ebola-Toten höher ist als in der Statistik angegeben. Bild: AFP
von Agentur DPAProfil

Offiziell erfasst waren bis zum 11. August mindestens 1975 bestätigte und Verdachtsfälle, 1069 Menschen starben. Von dem Ausbruch sind in Guinea, Liberia und Sierra Leone vielfach sehr abgelegene Gebiete betroffen, in denen es kein effizientes Meldesystem gibt. Viele Menschen wollen ihre kranken Angehörigen zudem lieber zu Hause pflegen.

In Afrikas bevölkerungsreichstem Land Nigeria habe sich ein Arzt mit dem Virus angesteckt, sagte Gesundheitsminister Onyebuchi Chukwu. 169 Menschen stünden unter Beobachtung, in Lagos seien es 163 und in Enugu 6, hieß es weiter. Präsident Goodluck Jonathan griff zu einer drastischen Maßnahme, um einem seit fast sieben Wochen dauernden Streik des medizinischen Personals Einhalt zu gebieten: Er ordnete die sofortige Entlassung von 16 000 Ärzten an. Das Ministerium kann nun andere Mediziner für die Behandlung von Patienten einstellen. Das medizinische Personal fordert bessere Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter. Der Streik hat jedoch die Bemühungen um eine Eindämmung des Virus beeinträchtigt.

Welche Folgen eine Ausbreitung von Ebola haben könnte, zeigt das Beispiel des viel kleineren Landes Liberia: Es gebe Berichte, dass sich in den vergangenen Wochen mindestens 40 Mitarbeiter von Gesundheitseinrichtungen ansteckten. Die meisten Krankenhäuser seien geschlossen. Auf den Straßen und in Häusern würden Leichen liegen. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte schon am Mittwoch alle deutschen Staatsbürger zur Ausreise aus Guinea, Sierra Leone und Liberia aufgefordert. Medizinisches Personal ist ausgenommen.

Ein Ebola-Verdacht am Frankfurter Flughafen hat sich am Freitag nicht bestätigt. Kurz nach der Landung einer Maschine aus Äthiopien untersuchten Ärzte einen Passagier.

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