25.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Ein Jahr Rechtsanspruch auf Kita-Platz: Sozialministerium zufrieden, Städtetag sieht noch Bedarf Teilerfolg für Krippenoffensive

Nach einem jahrelangen finanziellen Kraftakt nähert sich das Krippenausbauprogramm der Staatsregierung seinem Ende. In den nächsten beiden Jahren werden die Zuschüsse für neue Krippen kräftig um knapp 100 Millionen Euro gekürzt: Gibt die Staatsregierung 2014 noch 184 Millionen Euro für weitere Krippenplätze, sollen es 2016 nur noch 85,3 Millionen sein.

Besonders für die Kleinen in ländlichen Regionen stehen die Chancen auf einen Krippenplatz sehr gut. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Dabei handelt es sich aber lediglich um die Abfinanzierung bereits bewilligter Krippen, nicht mehr um gänzlich neue Ausbaupläne der Kommunen. Denn ein Jahr nach der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Krippenplatz geht das Sozialministerium davon aus, dass der Bedarf in Bayern weitestgehend gedeckt ist. Stattdessen werden die Zuschüsse für den laufenden Betrieb von Kindergärten und für Tagesmütter bis 2016 um über 100 Millionen Euro erhöht. Der Gesamtetat für die Kinderbetreuung wird somit nicht gekürzt.

Bedarf in Ballungsräumen

Der Gemeindetag bestätigt, dass in den ländlichen Regionen mittlerweile nur noch wenig neue Krippen nötig seien. "Wir sind mit den Investitionszuschüssen sehr zufrieden", sagte Sprecher Wilfried Schober. Ärger gibt es dagegen in den Ballungsräumen: Der Bayerische Städtetag hält den Bedarf keineswegs für gedeckt und fordert eine Verlängerung des Programms über 2014 hinaus. "Denn der von Bund und Freistaat 2007 angenommene Bedarf an Krippenplätzen liegt deutlich höher und kann daher nicht bis Ende 2014 erfüllt werden", heißt es in einem Positionspapier, das die Bürgermeister bei ihrer Vollversammlung im Juli beschlossen.

"Der Bedarf in den Städten ist größer und schwerer zu erfüllen", sagte Städtetagssprecher Achim Sing dazu. Eltern in Großstädten seien auf zwei Einkommen - und damit Krippenplätze für ihre Kinder - angewiesen, um die hohen Lebenshaltungskosten zu decken. Häufig finden sie trotz eifriger Suche aber keinen Platz in einer geförderten städtischen Krippe.

Das Sozialministerium dagegen verweist darauf, dass sich die Zahl der Krippenplätze in Bayern seit 2008 fast verdreifacht hat: von 44 415 auf aktuell rund 110 000 Plätze. "Bayern steht beim Krippenausbau hervorragend da: Nahezu alle Kommunen bieten ein bedarfsgerechtes Angebot für die Ein- bis unter Dreijährigen", sagte Sozialministerin Emilia Müller (CSU). Besonders stolz ist Müller darauf, dass der Freistaat in seinem eigenen Landesprogramm mit 954 Millionen Euro die Bundeszuschüsse von 430 Millionen Euro um mehr als das Doppelte übertroffen hat.

Auf dem Land macht sich derweil ein anderes Problem bemerkbar: Große Städte wie München locken Personal mit höheren Gehältern. "Wir haben zu wenig Erzieherinnen und Erzieher", sagt Schober. "Es gibt einen interkommunalen Wettbewerb um das Personal."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp