Ein mutmaßlicher Attentäter erschossen - Gefährliches Brüderpaar aus Tschetschenien
Dramatische Stunden: Polizei jagt Terrorverdächtigen in Boston

Eigentlich ist Cambridge mit seiner Eliteuni MIT ein idyllischer Vorort von Boston - ein Platz fernab von roher Gewalt und Verbrechen. Doch die dramatische Terrorfahndung zerriss jäh die beschauliche Szenerie von Cambridge und dem nahe gelegenen Watertown.

Ausgerechnet in diese feine Gegend hatten sich die beiden Verdächtigen des Terroranschlags auf den Boston-Marathon geflüchtet. Selten hat es in den vergangenen Jahren eine derart massive Verbrecherjagd in den USA gegeben. Die Aufklärung der Bluttat von Boston könnte kurz bevorstehen.

Das Drama begann eher harmlos. Kurz nach zehn Uhr am Donnerstagabend (Ortszeit) ging bei der Polizei ein Alarm wegen Ruhestörung auf dem Campus ein. Doch als die Polizisten eintrafen, wurden sie in eine Schießerei mit zwei jungen Männern verwickelt. Ein Beamter starb.

Die Männer überwältigten laut Polizei anschließend einen Autofahrer und ergriffen mit ihm als Geisel die Flucht. Eine halbe Stunde später wurde die Geisel an einer Tankstelle freigelassen. Unverletzt.

Inzwischen hatte die Polizei zu einer der massivsten Mobilisierungen seit Jahren aufgerufen - der Verdacht kam auf, dass es sich bei den Flüchtigen um die Verdächtigen des Terroranschlags von Boston handeln könnte. Fotos der jungen Männer vom Tatort hatte das FBI erst kurz zuvor veröffentlicht. "Die Männer sind bewaffnet und gefährlich", warnte ein FBI-Chefermittler. "Niemand soll sich ihnen nähern."
Die wilde Verfolgungsjagd endete in der rund fünf Meilen entfernten Ortschaft Watertown. Erneut kam es zu einer Schießerei - einer der beiden Verdächtigen wurde dabei schwer verletzt und starb wenig später im Krankenhaus. Der andere konnte die Flucht fortsetzen.

"Verdächtiger Nummer Eins" hatte das FBI den getöteten Mann zunächst genannt - "der Mann mit der dunklen Kappe". Die Schießerei, in der er niedergestreckt wurde, war massiv. Die Zahl der Schusswunden sei "nicht zu zählen gewesen", berichteten Krankenhausärzte. Doch einige Verletzungen seien auch durch Sprengstoff verursacht worden. Sofort machten Spekulationen die Runde, die Flüchtenden hätten sich einen Sprengstoffgürtel um den Körper gelegt.

So ging es für die Polizei nicht mehr in erster Linie darum, den "Verdächtigen Nummer Zwei" zu fassen. Plötzlich hatte das Wohl der Einwohner Priorität. "Unsere erste Sorge ist die Sicherheit der Menschen in der Gegend", sagte Polizeioffizier Timothy Alben. Die Angst ging um, dass "der Mann mit der weißen Kappe" Geiseln nehmen oder sich in einer Wohnung in Watertown verschanzen könnte.
"Bleiben Sie zu Hause. Verlassen Sie nicht ihre Wohnungen", rief die Polizei die Einwohner auf. "Machen Sie keinen Fremden die Tür auf." Pendler an Busstationen, die sich morgens um sechs Uhr auf den Weg zur Arbeit machten, wurden nach Hause geschickt.

Schließlich wurde die ganze Region lahmgelegt. Busse und Bahnen wurden gestoppt, Schulen, Universitäten und Geschäfte blieben geschlossen. Die Nationalgarde fuhr mit Panzerwagen in Tarnfarben Patrouille. TV-Sender sprachen von einer der größten Polizeiaktionen seit dem 11. September 2001.

Als über Watertown der Morgen graute, sickerten weitere Information der Polizei durch: Bei den beiden Verdächtigen soll es sich demnach um Brüder im Alter von 19 und 26 Jahre aus der Unruheregion Tschetschenien im Kaukasus handeln. Gesicherte Erkenntnisse dazu gab es jedoch nicht. Aus Tschetschenien wurden kurz darauf Verbindung zu Terrorverdächtigen zurückgewiesen.

Eindringlich warnte die Polizei vor dem anderen flüchtigen Verdächtigen: "Wir gehen davon aus, dass es sich um einen Mann handelt, der gekommen ist, um zu töten", warnte Bostons Polizeichef Ed Davis.
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