Eltern haben auch beim Kindergeburtstag eine Aufsichtspflicht
Mit Haftpflicht und wachsamem Auge

Führt der Kindergeburtstag ins Schwimmbad, können Eltern ihre Aufsichtspflicht nicht einfach an der Kasse abgeben. Sie müssen selber Sorge tragen, dass nichts passiert. Bild: dpa
Für Kinder ist er ein Höhepunkt des Jahres, für Eltern meist ein Kraftakt: der Kindergeburtstag. Tollen gleich zehn Kinder in Wohnung oder Garten herum, braucht es starke Nerven - und eine private Haftpflichtversicherung. Denn die einladenden Eltern übernehmen die Aufsichtspflicht für die anwesenden Kinder, erklärt Knut Höra, Fachanwalt für Versicherungsrecht in Leipzig.

Wann die Versicherung bei einem Unfall oder Schaden zahlt, ist höchst kompliziert. Das hängt vom Alter des Kindes, den Gegebenheiten in Haus und Garten und der jeweiligen Situation ab. Schießt ein Freund des Geburtstagskindes einen Ball in die Fensterscheibe des Nachbarn, muss geklärt werden, ob die Gastgebereltern ihrer Aufsichtspflicht nachkamen. Die hängt vom Alter der Kinder ab - je älter die Gäste sind, desto weniger müssen die einladenden Eltern aufpassen.

Bei einem Geburtstag mit Siebenjährigen oder Jüngeren könne die Mutter durchaus mal kurz in die Küche gehen, ohne dass sie ihre Aufsichtspflicht verletzt, erläutert die Stiftung Warentest in der in Berlin erscheinenden Zeitschrift "Finanztest" (Ausgabe 7/2006). Anders sehe es aus, wenn sie stundenlang telefoniert und die Kinder nicht beaufsichtigt.


Hat die Mutter ihre Aufsichtspflicht verletzt, komme ihre private Haftpflichtversicherung für den Schaden auf, sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Das gelte unabhängig davon, ob die Aufsichtspflicht aus leichter oder grober Fahrlässigkeit vernachlässigt wurde. Nur bei Vorsatz zahle die private Haftpflicht nicht.

Haben die Eltern ihre Aufsichtspflicht wahrgenommen, aber der Ball landet trotzdem in der Fensterscheibe, ist möglicherweise das Kind dran. "Bis zum Alter von sieben Jahren sind Kinder selbst aber nicht deliktfähig", erklärt Prof. Peter Schimikowski vom Institut für Versicherungswesen der Fachhochschule Köln. Ist das Kinder älter als sieben Jahre alt, ist es "bedingt deliktfähig". Ob das Kind haftet, hängt von seiner Einsichtsfähigkeit ab: Wusste es, dass sein Handeln verboten ist? Zündelt ein Zehnjähriger, könne man davon ausgehen, dass er weiß, was er tut. In einem solchen Fall könnte das Kind haften, erklärt Schimikowski.

Oft ohne Vorsatz

Bei einem Spiel kann es dagegen sein, dass jüngere Kinder nicht in der Lage sind, ihr Handeln bewusst zu steuern, sagt Schimikowski. Verletzt ein Achtjähriger beim Ritterspielen ein anderes Kind, dann weiß er zwar, dass man niemandem wehtun soll. Dennoch könne man von dem Kind möglicherweise nicht erwarten, mit dem Holzschwert weniger stark herumzufuchteln. Das Kind hafte also nicht. Bei Vorsatz endet allerdings der Versicherungsschutz: Hat das Kind gewusst, was es tat, hat es einem anderen einen angezündeten Knallkörper unter die Kleidung gesteckt oder einen Stock mit Wucht ins Gesicht gestoßen, dann lehnt die Versicherung ab.

Liegt im Garten der Gastgeber ein Teich, sollten sie diesen zur Geburtstagsparty absichern. Oder sie müssen die Kinder tatsächlich ständig im Blick haben, erläutert Schimikowski. Sonst sei bei einem Unfall von einer Verletzung der Aufsichtspflicht auszugehen.

Dagegen mache es keinen Unterschied, ob fünf oder zehn Kinder im Garten herumtollen, sagt Höra, der auch Vorsitzender des Gesetzgebungs- und Fachausschusses Versicherungsrecht im Deutschen Anwaltsverein ist.
Führt der Kindergeburtstag ins Schwimmbad, sind die Eltern genauso als Aufsichtsperson gefragt. "Man kann nicht sagen: ,Ich habe einen Bademeister, der auf alles aufpasst'", erklärt Höra. "Man muss in der Nähe der Kinder bleiben."

Und wie sieht es mit der Rallye durch die Nachbarschaft aus, bei der die Kinder in kleinen Gruppen Aufgaben lösen? "Wenn die Kinder im Straßenverkehr geschult sind, kann man solche Sachen machen, ohne seine Aufsichtspflicht zu verletzen."

Unfallversicherung gefragt

Was aber passiert, wenn sich das Kind selbst verletzt? Bricht es sich zum Beispiel den Arm, zahle die Krankenkasse die Behandlung, sagt Weidenbach. Kommt es zu bleibenden Schäden, trete - falls vorhanden - die private Unfallversicherung des Kindes ein.
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