27.10.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Erfindermesse IENA startet in Nürnberg - Tüftler warten auf die Einkäufer der Großkonzerne Innovationen zum Schleuderpreis

"Wenn BMW kommt und uns ein paar tausend Euro hinblättert, würden wir wahrscheinlich nicht Nein sagen." Den beiden 18-jährigen Erfindern aus Neumarkt ist der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Auf der am Donnerstag beginnenden 56. Erfindermesse IENA in Nürnberg stellen Michael Gebhard und Tobias Klesel ihren automatischen Blinker-Ausschalter für Motorräder vor. Weil sie immer vergaßen, auf dem Weg zur Arbeit den Blinker auszuschalten, entwickelten sie ein System, das anhand des Lenkeinschlages und des Neigungswinkels erkennt, wann der Abbiegevorgang zu Ende ist.

Kapital für die Zukunft

Beide sind Azubis bei der Firma Pfleiderer in Neumarkt. Sechs Wochen dauerte es, bis die Idee umgesetzt war. Das Unternehmen hat sie in dieser Zeit für mehr als 300 Arbeitsstunden freigestellt. "Wir investieren gern in die Innovationskraft unserer jungen Leute", sagt Andreas Steiner, der Patentbeauftragte von Pfleiderer. "Das ist das Kapital für unsere Zukunft." Stolz sind die Azubis, dass sie auf der IENA dabei sind - finanzielle Ambitionen haben sie nicht. "Mit dem Ding werden wir sicher nicht reich." Um den Schalter in Serie zu fertigen, müssten die beiden Geld investieren, das sie nicht haben. Wenigstens beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) in München wollen sie ihre Erfindung anmelden. Das DPMA verzeichnete im ersten Halbjahr 2004 eine deutliche Steigerung bei den Patent- und Markenanmeldungen. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl um 4,3 Prozent auf 24 303 Anmeldungen gestiegen, sagte DPMA-Sprecherin Diane Nickl. Bis Jahresende werden voraussichtlich rund 48 500 deutsche Patente beantragt. "Erfindergeist und Wirtschaftskraft in Deutschland sind ungebrochen. Deutschland gehört im internationalen Vergleich zur Spitze."

Damit das so bleibt, sollen pfiffige Ideen für technische Neuerungen bereits an den Schulen gefördert werden. Das Maristengymnasium im niederbayerischen Fürstenzell hat mittlerweile den Ruf einer Ideenschmiede. Seit Jahren präsentieren die Gymnasiasten zur IENA immer wieder neue, teils viel versprechende Innovationen. Diesmal ist ein Handy-Ladegerät für Fahrräder dabei - entwickelt von der zwölfjährigen Julia Brunner und von Sebastian Beckenkamp (11).

Die IENA ist nach Angaben von Veranstaltungschef Heiko Könicke die weltweit führende Messe für das Erfinderwesen. 510 Aussteller aus 29 Ländern präsentieren rund 650 Erfindungen, das ist ein Plus von 8,5 Prozent. Seit der ersten Messe wurden bei der IENA bereits 20 000 Ideen und Erfindungen vorgestellt. Darunter so bekannte Artikel wie das Klappfahrrad, Schwimmflügel oder das Aufrollgerät für Hundeleinen. Die IENA ist zunächst nur für das Fachpublikum geöffnet. Am Samstag und Sonntag haben dann alle am Tüfteln und Basteln Interessierte Zutritt.

Weitere Informationen im Internet:

oberpfalznetz.de, Netzcode: 50631838

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