13.11.2010 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Erinnerung an gefallene Soldaten Denkmalbau ohne Genehmigung

Am 27. Januar 1920 entschloss sich der Magistrat des Marktes Luhe, für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs ein würdiges Denkmal zu errichten. An prägnanter Stelle platziert, sollte es den 39 Opfern ein bleibendes Andenken bewahren.

von Autor SEFProfil

Um das Vorhaben zu finanzieren, waren eine Sammlung und ein Zuschuss aus der Gemeindekasse vorgesehen. In der Bevölkerung stieß das Projekt auf Zustimmung. In drei Monaten gingen 7483 Mark ein. Mit dieser festverzinslich angelegten Summe als Rückhalt gründete man ein "Komitee zur Errichtung eines Kriegerdenkmals". Lehrer Wilhelm Kraus, der seit 1. August 1920 in Luhe unterrichtete, übernahm den Vorsitz. Um den Betrag aufzustocken, bemühten sich die örtlichen Vereine um weitere Einnahmequellen.

Sängerfest und Ball

So veranstaltete der heute 100-jährige Gesangverein Lyra am 24. Juli 1921 ein Sängerwaldfest auf dem Koppelberg mit anschließendem Ball im Gasthaus Herdegen. Die vielseitigen Bemühungen hatten Erfolg. Im September 1921 lagerten auf dem Denkmalkonto 19 000 Mark.

Aus elf Entwürfen wählte das federführende Komitee den Grundriss des Bildhauers Hans Loibl aus Stadtamhof, der auch in Zeitlarn, Unterauerbach und Irlbach Altäre geschaffen hatte. Er sah über drei Stufen eine barockisierende Basis mit bronzener Ehrentafel und eine Säule mit einem korinthischen Kapitell vor. Auf die Deckplatte wollte der Künstler die Szene der Mantelteilung des hl. Martin des Kirchenpatrons stellen.
Noch bevor der Entwurf beim Landbauamt Weiden eingereicht, geschweige denn genehmigt war, erhielt Hans Loibl vermutlich wegen der galoppierenden Inflation am 16. Oktober 1921 eine Anzahlung von 10 000 Mark. Erst am 27. Mai 1922 konnte Komiteevorsitzender Wilhelm Kraus den Bauplan abgeben und erläutern.

Rüge aus Weiden

Die eigenmächtige Vorgehensweise hatte prompt eine - wohlwollende - Rüge des Landbauamts Weiden zur Folge. Am 6. September 1922 teilte deren Direktor dem Komitee mit: "Wie ich mich an Ort und Stelle gelegentlich einer Dienstreise überzeugte, ist das Kriegerdenkmal bereits in Ausführung begriffen und ohne finanzielle Schädigung kaum mehr zurückzustellen. Trotzdem ergeht gegen das Projekt, dessen Platzwahl und Ausgestaltung keine Erinnerung. Die beiden bestehenden Kugelakazien müssen aber erhalten werden."

Am 13. Oktober 1922 war der Bau fertig und Pfarrer Josef Kellner segnete das Denkmal. Nachträglich traf am 29. März 1923 auch die baupolizeiliche Genehmigung ein. Gefordert wurde, die hässlichen Fichtenbüsche zu entfernen.
Zuerst waren auf der Ehrentafel nur die Namen der im Ersten Weltkrieg insgesamt 39 Gefallenen vermerkt. Darunter findet sich Michael Kiener, der einem bayerischen Infanterieregiment angehörte und am 11. Dezember 1917 "im Feindesland" fiel. Von ihm hat Horst-Jürgen Pistorys ein Sterbebild. Auf der Vorderseite ist der Unteroffizier in voller Ausrüstung zu sehen. Die Darstellung stammt von einer Feldpostkarte mit Landschaftskulisse. Sie wurde - wie unzählige andere - während der Kriegshandlungen vor Ort angefertigt und sollte den Kontakt zur Heimat aufrecht erhalten.

Liste verlängert

Nach 1945 musste das Verzeichnis am Denkmal erweitert werden, damit auch die Opfer des Zweiten Weltkriegs Platz fanden. Allein der Markt Luhe hatte 51 Gefallene und Vermisste zu betrauern.

Als bis 1916 noch euphorische Siegesstimmung im Deutschen Reich herrschte und der Wahlspruch "Einig und gleich - ein Volk ein Reich" galt, wurden den Soldaten patriotische Erinnerungsblätter mit Herrscherportraits ausgehändigt. Oben thronten Kaiser Wilhelm II., König Ludwig III. und Kronprinz Rupprecht. Darunter befand sich im Zentrum - eingerahmt von Standarten - das Foto des jeweiligen Soldaten. Das von Franz Müller besitzt dessen Familie in Grünau noch immer.

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