Ermittler tappen nach dem Anschlag von Boston im Dunkeln - Barack Obama steht die größte ...
Quälende Erinnerungen an den 11. September 2001

Barack Obama reagiert prompt. Die Toten und Verletzten beim Boston-Marathon sind kaum geborgen, da tritt der US-Präsident mit versteinerter Miene vor die Kameras. Seine Lippen sind nicht mehr als ein schmaler Strich, die Sätze kurz und schneidend. "Wir werden herausfinden, wer das getan hat, und wir werden sie zur Rechenschaft ziehen." Obama weiß: Der Terroranschlag könnte zur größten Herausforderung seiner Amtszeit werden.

Fast stündlich erhöhen sich die Opferzahlen in Boston. Mindestens drei Tote, über 170 Verletzte, heißt es offiziell am Dienstag (Ortszeit), vielen mussten Arme oder Beine amputiert werden. Es sind dies die Horrornachrichten, die Millionen Amerikaner nie wieder hören wollten. Immer wieder flimmern die Bilder dunkler Rauchsäulen und panisch fliehender Menschen in Boston über die TV-Kanäle. Schmerzhafte, quälende Erinnerungen an den 11. September 2001 kehren zurück. Amerika hatte Glück gehabt - jahrelang war es vom Terror verschont geblieben.

"Dies ist eine Erinnerung, dass der Krieg gegen den Terror noch längst nicht beendet ist", sagt der republikanische Terrorismusexperte Peter King grimmig in die Mikrofone. Im selben Atemzug verlangt er, dass die Ausgaben für die Sicherheit keinesfalls gekürzt werden. Kaum 24 Stunden nach dem Schrecken von Boston deutet sich bereits die politische Auseinandersetzung der nächsten Wochen, wenn nicht der nächsten Monate an.
Obama, die Regierung und die Sicherheitsbehörden stehen unter immensem Druck. Das Problem: Auch Stunden nach dem Blutbad tappten die Ermittler offenbar im Dunklen. Noch am Dienstagvormittag (Ortszeit) kann das FBI keinen Verdächtigen präsentieren. Mehr noch: Nicht einmal Spekulationen, wer hinter dem Massaker stecken könnte, machen die Runde - selbst die Medien halten sich auffallend zurück. Eine der wenigen Spekulationen wagt die "New York Times": Die Sprengkörper von Boston hätten Ähnlichkeit mit der Bombe bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta. Damals hatte ein Mann eine mit Nägeln gefüllte Rohrbombe gezündet. Zwei Menschen starben, 100 wurden verletzt. Der Täter Eric Robert Rudolph bekam lebenslänglich. "Homegrown terrorism" nennen das die Amerikaner - einheimischer Terrorismus.

Handelt es sich auch in Boston um einen solchen "einsamen Wolf", einen psychisch belasteten Einzeltäter, der aus irgendeiner angestaunten Wut heraus zum Mörder und Terroristen wurde? Anschläge heimischer Terroristen gibt es immer wieder in den USA. Den größten Horror verursachte ein Attentäter 1995 in Oklahoma, als er über zwei Tonnen Sprengstoff vor einem Bundesgebäude zur Detonation brachte. Der Mann sagte später, er habe einen Hass auf die Regierung. Die Wut kostete 168 Menschen das Leben.
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