Evangelische Kirche diskutiert über Verfassung
Anti-Nazi-Erklärung

Die meisten offiziellen Erklärungen oder Resolutionen der Kirchen verhallen ungehört. Die Barmer Theologische Erklärung (BTE) dagegen löste vor 80 Jahren ein kleines Erdbeben aus. Zum ersten Mal hatten sich verschiedene Gruppen protestantischer Christen auf eine gemeinsame Erklärung geeinigt. Damit erteilten sie der Nazi-Ideologie der "Deutschen Christen" eine Absage. Die Evangelisch-lutherische Kirche in Bayern erwägt nun, zur Barmer Erklärung in ihrer Kirchenverfassung Stellung zu beziehen.

Bei der Herbsttagung der Landessynode in Regensburg wird sich ein Ausschuss mit der Frage befassen, ob und wie die Verfassung Bezug auf die Barmer Erklärung nehmen soll. "Wir haben die Beschäftigung mit der BTE bewusst ergebnisoffen angelegt", betont Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel. Die letzte Änderung - eine Stellungnahme zum Judentum - hatte langen Streit ausgelöst. Umso vorsichtiger ist die Kirchenleitung nun. Zunächst sei eine breite Diskussion nötig, sagt auch Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.

Die Barmer Theologische Erklärung wurde am 31. Mai 1934 in Wuppertal verabschiedet. In ihren Thesen sprach sie sich gegen einen totalitären Staat aus und lehnte die Forderung der "Deutschen Christen" nach einer Verbindung zwischen der Botschaft des Evangeliums und dem Nationalsozialismus ab. Adolf Hitler wollte das Führerprinzip in den evangelischen Kirchen durchsetzen. Die Erklärung führte zum Kirchenkampf zwischen den nationalsozialistisch orientierten "Deutschen Christen" und der oppositionellen "Bekennenden Kirche". Als Väter des Schreibens gelten der reformierte Schweizer Theologe Karl Barth, der lutherische Pfarrer Hans Asmussen aus Hamburg und der Theologe Thomas Breit aus Bayern.
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