Evangelischer Kirchentag setzt Zeichen für soziale Gerechtigkeit
"Nervensägen" sein

Zehntausende Besucher des evangelischen Kirchentags in Hamburg haben am Donnerstag über ethische Verantwortung in der Wirtschaft, Solidarität und das Zusammenleben mit Behinderten diskutiert. Die Gesellschaft könne viel von Menschen mit Behinderung lernen, sagte Bundespräsident Joachim Gauck.

Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann rief vor rund 7000 Besuchern ihrer Bibelarbeit dazu auf, beharrlich für Gerechtigkeit einzutreten. Dafür könne man auch ruhig eine "Nervensäge" sein, die nach Sinn und Würde frage.

Gauck diskutierte ebenfalls vor rund 7 000 Menschen mit dem behinderten Pfarrer und Paralympics-Sieger Rainer Schmidt und dem Schauspielstudenten Samuel Koch, der seit einem Unfall bei "Wetten dass ..?" gelähmt ist. Sie seien ein "Vorbild in Lebensfreude und Lebensbejahung", sagte Gauck: "Genau das braucht unser Land." Die beiden hätten begriffen, "dass sie viel mehr vermögen, wenn sie etwas von sich verlangen".

Zahlreiche prominente Vertreter aus Politik, Kirche und Wirtschaft warben für soziale Gerechtigkeit. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, kritisierte im Deutschlandradio Kultur die deutsche Steuerpolitik. Bei der "Entlastung der oberen Zehntausend" in den vergangenen 20 Jahren sei das Pendel in die falsche Richtung ausgeschlagen. Der Unternehmer Michael Otto äußerte auf dem Kirchentag Verständnis dafür, dass in der Politik eine Reichensteuer erwogen wird. "Die Wirtschaft muss dem Menschen dienen und nicht umgekehrt", sagte er. Die Präsidentin von "Brot für die Welt", Cornelia Füllkrug-Weitzel, richtete den Blick auf Produktionsbedingungen in armen Ländern und verlangte bewusste Kaufentscheidungen: "Dann müssen wir uns beim nächsten Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch nicht mehr fragen, was das mit uns zu tun hat." (Seite 8)
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