Evangelischer Theologe über Parkinson: "Krankheit darf nicht über mein Leben bestimmen"
Regionalbischof Weiss: "Der Tod ist mir jetzt näher"

"Wenn man seinen ganzen Cocktail drin hat, kann man auch kräftig wegtauchen", so Regionalbischof Hans-Martin Weiss.

Der Regensburger evangelische Regionalbischof Hans-Martin Weiss geht offen mit seiner Parkinson-Erkrankung um. Zugleich macht er anderen Betroffenen Mut, damit leben zu können. "Parkinson darf nicht vollständig über mein Leben bestimmen", sagte der 55-jährige Theologe anlässlich des Welt-Parkinson-Tages in Regensburg in einem Interview.

Er hadere nicht mit Gott wegen der Nervenerkrankung, die bei ihm vor zwei Jahren diagnostiziert wurde und die als unheilbar gilt. Es gebe "ein paar schlimme Entwicklungsformen der Krankheit", vor denen er zwar keine Angst habe, aber hoffe, dass sie ihm erspart bleiben. Weiss war erst kürzlich von der bayerischen Landeskirche für zehn weitere Jahre als Regionalbischof im Kirchenkreis Regensburg berufen worden. Für die zweite Amtszeit, die im April 2014 beginnt, habe er trotz der Krankheit ganz bewusst kandidiert.

Auch mal Nein sagen

Die Krankheit versucht Weiss mit Sport und Tabletten in den Griff zu bekommen. "Die Bewegungen sind langsamer", sagt er. Alltägliche Handgriffe wie beim Anziehen, Essen und Trinken fallen schwer. Auch gibt der Regionalbischof zu, dass es Momente geben kann, wo man nicht gerade müde, sondern wach und präsent sein will. "Wenn man seinen ganzen Cocktail drin hat, kann man auch kräftig wegtauchen." Er brauche mehr Ruhe und habe lernen müssen, auch einmal Nein zu sagen.
Das äußere Erscheinen könne steif und unbeweglich wirken, das Gesicht "mal lebendig, aber mal auch wie eingefroren". Bei einem Vortrag anlässlich eines Empfangs habe er die Augen schließen müssen, um sich besser konzentrieren und zuhören zu können. Andere Menschen hätten diesen Moment später im Fernsehen gesehen "und sich darüber köstlich amüsiert", gestand Weiss schmunzelnd.

Nicht eingeschränkt

Das Leben könne er nun noch bewusster genießen, sagte Weiss, der in Sulzbach-Rosenberg geboren wurde. Die Augen macht er vor dem Tod allerdings nicht zu. "Der Tod ist mir jetzt näher", auch wenn die Ärzte ihm gesagt hätten, seine Lebenserwartung sei durch die Krankheit nicht eingeschränkt. Weiss ist seit 2004 Regionalbischof in Regensburg, zuvor war er Pfarrer in München sowie Studentenpfarrer in Bamberg.
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