21.09.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Ex-Alkoholsünderin gibt Ratschläge - "Nicht auf Stammtisch-Gewäsch hören" Keine Angst vor der MPU

von Uli Piehler Kontakt Profil

MPU: Drei Buchstaben lassen Alkoholsünder zittern. Wer nach einer Trunkenheitsfahrt mit mehr als 1,6 Promille seinen Führerschein abgegeben hat, muss die "Medizinisch-Psychologische Untersuchung" (MPU) über sich ergehen lassen. Wie berichtet, versuchen viele Autofahrer, die MPU mit einem Führerschein-Erwerb in Tschechien zu umgehen. Ein falscher Weg, wie Carmen Liebs aus Garmisch-Partenkirchen meint. Sie musste selbst zum "Idiotentest" und hat über ihre Erfahrungen ein Buch geschrieben.

Frau Liebs, muss man sich vor der MPU fürchten?

Liebs: Nein, alles andere als das. Bei der MPU sitzen einem keine Monster gegenüber sondern Menschen. Das meiste, was man über die MPU hört, ist nichts anderes als plattes Stammtisch-Gewäsch.

Was hört man denn so über die MPU?

Liebs: Zum Beispiel, dass beim ersten Mal grundsätzlich jeder durchfällt. Das ist Nonsens. Oder dass man dem Psychologen sagen muss, man sei Alkoholiker gewesen und trinke nie wieder etwas. Das ist absolut unglaubwürdig.

Die Untersuchung soll feststellen, ob jemand grundsätzlich körperlich und charakterlich geeignet ist, ein Fahrzeug zu führen . . .

Liebs: Ja. Und das trifft bei einem notorischen Alkoholiker einfach nicht zu. Wer wirklich nur einmal über den Durst getrunken hat und erwischt wurde, der muss das bei der Untersuchung natürlich genau so erzählen. Bei der Wahrheit zu bleiben ist immer die beste Strategie.

Sie wurden selbst mit 2,03 Promille am Steuer erwischt.

Liebs: Ich war auf dem sichersten Weg Alkoholikerin zu werden, ohne dass ich es gemerkt hätte. Die MPU hat mich davor bewahrt. Das höre ich auch immer wieder von Menschen, denen es ähnlich gegangen ist.

Was raten Sie jemanden, der mit Alkohol am Steuer erwischt wurde?

Liebs: Ich rate ihm zuallererst, die Finger vom Alkohol zu lassen. Wenn er mit mehr als 1,6 Promille unterwegs war, muss er sich vom ersten Tag an auf die MPU vorbereiten. Das kann er, indem er sofort damit anfängt, seine Leberwerte zu sammeln. Wenn er seinen Führerschein wirklich wieder bekommen will, sollte er sich seine Enthaltsamkeit vom ersten Tag an bestätigen lassen. Viele warten damit, bis die Sperrzeit abgelaufen ist. Das wäre absolute Zeitverschwendung.

Was sollten Betroffene nicht tun?

Liebs: Sich von Stammtisch-Kumpeln beraten lassen. Die Vorbereitung auf den Idiotentest am Wirtshaustisch ist die denkbar schlechteste. Man kann zum Beispiel einen Verkehrspsychologen aufsuchen. Der bereitet einen wirklich auf die MPU vor. Außerdem dokumentiert man damit, dass man willens ist, das Problem an der Wurzel zu packen.

Carmen Liebs hat den Verein "Beratung und Aufklärung bei Führerscheinproblemen e. V." gegründet und ein Buch mit dem Titel "Promillefahrt mit Folgen" (ISBN: 3-499-60897-9; 7,90 Euro, 157 Seiten) geschrieben. Die zweite Auflage ist 2001 im Rohwolt Taschenbuch-Verlag erschienen.

Weitere Informationen im Internet:

www.baf-ev.de

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