Ex-Tennisstar Claudia Kohde-Kilsch strebt in die hohe Politik
Aufschlag mit der Linken

Früher war Claudia Kohde-Kilsch auf den Tennisplätzen der Welt zu Hause. Heute spricht die Ex-Athletin für die Linke im Saarland. Jetzt will sie in den Bundestag. Ihr Förderer ist Oskar Lafontaine. Bild: Becker&Bredel/dpa
Vor zwei Jahrzehnten hießen ihre Idole John McEnroe oder Martina Navratilova. Heute ist ihr Vorbild eher Oskar Lafontaine. Fast 20 Jahre nach Ende ihrer Tenniskarriere will Claudia Kohde-Kilsch in den Bundestag. Die 49-Jährige will sich auf Vorschlag Lafontaines auf jeden Fall als Direktkandidatin für die Linke bewerben. Lafontaine will lieber ein bekanntes Gesicht als einen unbekannten Polit-Profi.

Da so gut wie ausgeschlossen ist, dass sie den Wahlkreis Saarbrücken gewinnt, denkt Kohde-Kilsch darüber nach, ob sie sich bei der Aufstellung der Saar-Landesliste am 5. Mai bewirbt. "Das wird am Ende eine Bauchentscheidung", sagt die 1,87 Meter große, bescheiden und offen auftretende Frau.

Trotz Lafontaines Verzicht auf eine Kandidatur macht das innerparteiliche Ringen die Listenaufstellung spannend. Für den aussichtsreichen Platz eins zeichnet sich eine Kampfkandidatur ab. Die beiden Bundestagsabgeordneten Thomas Lutze und Ivonne Ploetz wollen weitermachen. Für viele in der Partei ist der Ex-Star politisch eine unbekannte Größe. Die Quereinsteigerin ist erst dabei, seit sie vor gut einem Jahr für Lafontaine - einen "alten Bekannten der Familie" - an der Saar Wahlkampf machte und dann nach der Landtagswahl vom Linken-Vormann als Sprecherin seiner Fraktion geholt wurde.
Die blondierte 49-Jährige sucht derzeit den persönlichen Kontakt mit den Genossen an der Basis. "Ich habe gemerkt, dass ich für viele eher ein Phantom bin. Deshalb ist das persönliche Kennenlernen wichtig für mich." Bevor sie bei der Linken einstieg, habe sie sich genau informiert, bis sie sicher gewesen sei: "Ich gehe in eine Partei, die sich für die Menschen einsetzt. Kämpfen für sozial Schwächere - das bin ich", betont Kohde-Kilsch. Was sozialer Abstieg bedeutet, hat die einstige Spitzensportlerin am eigenen Leib erfahren. Zwischen 1980 und 1994 verdiente sie auf dem Tennisplatz für sich und ihre Familie Millionen. Doch am Ende ihrer Karriere war das Geld weg. Ihr Stiefvater habe den Überblick verloren. Schweren Herzens verklagte sie den bis dahin "wichtigsten Mann in ihrem Leben", der lange für sie Vater, Vertrauter und Manager zugleich war. Am Ende gewann sie juristisch, doch dann starb ihr Stiefvater, sie blieb allein auf einer Menge Schulden sitzen. Ihre Ehe mit einem Musikproduzenten scheiterte. Zuletzt lebte sie mit ihrem Sohn von maximal 1200 Euro an nicht pfändbarem Einkommen, meldete 2011 Privatinsolvenz an.

"Vielen fehlt Herzblut"

Die schweren Zeiten sind vorbei, seit die Privatinsolvenz abgewickelt ist und Kohde-Kilsch wieder einen festen Job und einen neuen "Schatzi" hat. Jetzt kann sie sich eine größere Rolle in der Politik gut vorstellen: "Zwischen Hochleistungssportlern und Politikern gibt es Parallelen", sagt sie. "Dazu gehört Kampfgeist und Durchhaltevermögen. Aber vielen Politikern fehlt Herzblut. Sportler haben mehr echte Emotionen."
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