31.01.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Fahrbericht BMW X5 4.4

von Berthold Zeitler Kontakt Profil

Bayerischer Offroad-Stern

Ja, schau an: Bayern schlägt Stuttgart. Nicht nur im Fußball. Die Weißblauen haben auch im Autogeschäft die Nase vorn. Im November holte sich der prestigeträchtige X5 gar den Titel des beliebtesten Geländewagens - vor dem langjährigen Klassen-Stern aus dem Schwabenland.

Der Bayer aus Amerika war das erste Auto, das hochbeinige Offroad-Optik mit den Fahreigenschaften einer Sportlimousine kombinierte. Inzwischen machen Porsche Cayenne und VW Touareg kräftig Konkurrenz in einem Segment, das mit "Sports Utility Vehicle" (SUV) nur unzureichend beschrieben ist. Das ist mehr als nur ein sportliches Auto für alle Belange der Freizeit.

Rund vier Jahre nach der Markteinführung hat der BMW jetzt eine umfassende Überarbeitung erfahren, mit einem spritzigeren Design, leistungsfähigeren Motoren und vor allem einem intelligenten Allradsystem. Seit Anfang Dezember arbeitet darunter auch ein neuer Achtzylinder. Der hat zwar wie sein Vorgänger 4,4-Liter Hubraum, aber jetzt 320 statt bisher 286 PS. Die reichen aus, um den 2,2-Tonner aus dem Stand in sagenhaften sieben Sekunden zur Hunderter Marke zu treiben. Wer denn will und die entsprechenden Reifen aufgezogen hat, der kann mit Tempo 240 über die Autobahn brettern. Ansonsten wird er bei 210 km/h elektronisch eingebremst.

Wer allerdings so die Muskeln spielen lässt, darf sich nicht wundern, wenn sie Nahrung brauchen wie ein Bodybuilder beim Aufbautraining. 25 Liter Super flutschen dann durch wie nichts. Kein Gasfuß ist sensibel genug, um den Energiefluß zielgerichtet einzudämmen. Deshalb: Wo auch immer möglich, einfach den Tempomat einschalten. Der erledigt die Arbeit im Zusammenspiel mit einer wunderbar weich schaltenden Sechsgang-Automatik bestens. Und so gelang es uns wenigstens, den Schnitt auf 16,2 Liter zu drücken.

Die wichtigste Neuheit im aktuellen Jahrgang ist allerdings eine andere: BMW hat dem X5 jetzt auch das intelligente Allradsystem x-drive des kleineren Bruders spendiert. Das ist eine elektronische Lamellenkupplung, die blitzschnell dort für Vortrieb sorgt, wo er eben gebraucht wird. Während beim bisherigen Modell die Kraft starr im Verhältnis von 38:62 Prozent auf Vorder- und Hinterachse verteilt war, gehen jetzt bis zu 100 Prozent an die Achse mit der besseren Traktion.

Über zwei Schalter im Cockpit kann die Bodenfreiheit reguliert werden, eine Bergabfahrhilfe reduziert Off-Road das Tempo auf Schrittgeschwindigkeit. Alles zusammen taugt der X5 jetzt auch absolut für den Geländeeinsatz, gleichwohl sein eigentliches Metier die Straße ist.

Auch hier spielt die neue Technik ihre Vorzüge aus, macht den wuchtigen Allradler zum wendigen Sportler, der sich behände über kurvenreiche Landstraßen oder durch das Großstadtrevier dirigieren lässt. Denn x-Drive arbeitet mit den elektronischen Helferlein von ABS und ESP zusammen reagiert im vorauseilenden Gehorsam schon dann, bevor das Auto zu rutschen beginnt.

Und das Schöne: Das Regeln und Korrigieren erfolgt derart sanft und unauffällig, dass der Normalfahrer davon überhaupt nichts bemerkt. Aber auch so ist der X5 ungemein handlich und fahrsicher, trotz seines hohen Schwerpunktes. Und er schluckt Straßenunebenheiten weg wie eine Oberklassen-Limousine.

So sitzt es sich auch vorzüglich auf dem vorderen Gestühl. Es sei denn bei schlechten Wetter. Dann muss der Fahrer wegen der nach innen gezogenen Dachlinie schon damit rechnen, dass ihm beim Öffnen der Tür herabtropfender Regen oder Schnee den Anzug versauen. Ein Minuspunkt gehört auch der Anordnung der Fensterheber. Die liegen zu tief an der Tür und werden zudem vom Türgriff verdeckt. Das ist es dann aber schon am Herummäkeln. Denn über den Preis 62250 Euro lässt sich nicht streiten.

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