FBI zeigt Fotos Verdächtiger
Obama: Amerika trotzt dem Terror

Nach dem Anschlag auf den Boston-Marathon veröffentlicht das FBI Fotos zweier Verdächtiger. Bild: dpa
Nach dem Anschlag auf den Boston-Marathon veröffentlicht das FBI Fotos zweier Verdächtiger. Das Land trauert, Präsident Obama ruft zu Mut und Kraft auf. Amerika werde sich nicht unterkriegen lassen.

Boston. (dpa) Drei Tage nach dem Bombenanschlag auf den Boston-Marathon hat die Polizei Fotos zweier verdächtiger Männer veröffentlicht. Die Polizei rief bei einer Pressekonferenz am Donnerstag die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Fahndung nach den beiden auf. Die Fotos seien kurz vor den beiden Detonationen am Montag am Tatort aufgenommen worden. Sie zeigen zwei junge Männer in dunkler Kleidung mit Rucksäcken. Bei den Bombenexplosionen waren am Montag drei Menschen getötet und mehr als 170 verletzt worden.

Die Männer seien bewaffnet und gefährlich, sagte Chefermittler Richard DesLauriers. Wer sie erkenne, solle sich ihnen nicht nähern. Weitere Fortschritte bei den Ermittlungen wurden zunächst nicht bekannt. Hinweise auf Festnahmen gab es nicht.

US-Präsident Barack Obama rief bei einem Trauergottesdienst in Boston die Amerikaner auf, dem Terror zu trotzen. «Die Bombe kann uns nicht besiegen. Wir machen weiter», sagte er am Donnerstag in einer emotionalen Rede in der Kathedrale der Stadt. Danach sprach er in einer Klinik mit Verletzten. Die Rede Obamas in der Heiligkreuz-Kirche wurde mehrfach von brausendem Beifall
unterbrochen. Über 2000 Menschen waren gekommen, darunter Angehörige
von Terroropfern.

Die USA werden sich vom Terror nicht unterkriegen lassen, sagte Obama. «Ihr werdet wieder rennen.» Auch der Boston-Marathon werde nächstes Jahr wieder stattfinden.

Zugleich machte Obama klar, dass der Staat mit aller Härte reagieren und die Verantwortlichen vor den Richter bringen werde. «Wir werden Euch finden. Wir werden Euch zur Rechenschaft ziehen.» Nach dem interkonfessionellen Gottesdienst traf Obama mit Angehörigen von Opfern zusammen. Berichte über erste Festnahmen erwiesen sich als falsch. Die Polizei dementierte noch am Mittwoch (Ortszeit) entsprechende Nachrichten.

Obama hat derzeit mehrere große Herausforderungen zu bestehen. Bei einer schweren Explosion in einer Düngemittelfabrik in Texas gab es zahlreiche Tote. Zudem erlitt der Präsident eine herbe politische Niederlage: Sein Gesetzesvorschlag für schärfere Waffengesetze scheiterte im Senat - obwohl seine demokratische Partei dort die Mehrheit hat.

Zudem war an Obama ein Giftbrief geschickt worden. Bei ersten Tests wurde die tödliche Substanz Ricin (Rizin) nachgewiesen. Bereits am Mittwoch war ein Verdächtiger im Bundesstaat Mississippi festgenommen worden, teilte das FBI mit. Der Fall hatte kurz nach dem Attentat von Boston für großen Wirbel gesorgt - es gab aber keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit dem Terroranschlag.

Im Gedenken an die Opfer von Boston sollen die Teilnehmer des London-Marathons an diesem Sonntag schwarze Armbinden tragen. Außerdem werde man vor Beginn des Laufs eine Schweigeminute einlegen, sagte die britische Kultur-Staatssekretärin Maria Miller am Donnerstag.

Bei der Explosion der Bomben in Boston waren ein achtjähriger Junge, eine 29 Jahre alte Amerikanerin und eine Studentin aus China getötet worden. Mehr als 170 Menschen wurden verletzt, vielen mussten Gliedmaßen amputiert werden. Aus den Krankenhäusern der Stadt verlautete, es würden wohl alle Verletzten überleben. Bei vielen könnte die Genesung aber viele Jahre dauern.

Eine der verwendeten Bomben bestand aus einem Schnellkochtopf, der mit einem Zünder versehen war und neben Schwarzpulver auch Nägel und Metallteile enthielt. Teile des Topfdeckels wurden CNN zufolge auf einem Hausdach in der Nähe der Ziellinie gefunden. Ob auch die zweite Bombe aus einem Schnellkochtopf gebaut war, sei noch unklar.
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