FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat als "Moralapostel" ausgedient - Geld auf Schweizer Konto
Im "Club" der Steuerflüchtlinge

Der Präsident des Fußball-Bundesligisten FC Bayern München, Uli Hoeneß, am 21. Februar 2013 bei einer Pressekonferenz in München. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Hoeneß wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Bild: dpa

Wer hätte das gedacht? Wasser predigen und Wein trinken, dies ist überraschenderweise eine Disziplin, in der sich Uli Hoeneß ebenso gut auskennt wie im Fußball. Ein geheimes Konto in der Schweiz könnte den Star-Manager teuer zu stehen kommen. Nach einer Selbstanzeige beim Finanzamt geht es für den Präsidenten des FC Bayern München nicht nur um Geld und Straffreiheit, sondern auch um sein Ansehen, das nach den Enthüllungen des Wochenendes mehr als angekratzt ist.

Das öffentliche Bild des streitbaren Vordenkers und populären Klartextredners mit hohen Wertvorstellungen über den Fußball hinaus muss womöglich ganz neu gezeichnet werden.

Da Hoeneß politisch der CDU/CSU nahesteht, reibt sich die Opposition im aktuellen Bundestagswahlkampf kräftig die Hände. Nach Ansicht von SPD und Grünen wird die Affäre zum Debakel für die schwarz-gelben Regierungen im Bund und in Bayern. Die Oppositionsparteien sehen sich bestätigt, das geplante Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz im Bundesrat zu Recht verhindert zu haben.

"Geldwaschabkommen"

Der Grünen-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Jürgen Trittin, sprach von einem "Geldwaschabkommen". Denn dann wären "Leute wie Herr Hoeneß zum Sonderrabatt unerkannt davongekommen", unterstrich auch NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans. "Mich enttäuscht, dass jemand wie Uli Hoeneß, der Leistung, Disziplin und Geradlinigkeit unerbittlich wie kaum ein anderer fordert, beim Steuerzahlen Anspruch und Wirklichkeit nicht in Übereinstimmung bekommt", ergänzte Norbert Walter-Borjans. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagte laut "Rheinische Post" (Montag), es sei erstaunlich, dass Hoeneß in Erwartung des Abkommens darauf gehofft habe, in der Anonymität zu bleiben. "Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt, sondern kriminell. Für Hoeneß darf es keinen Promi-Bonus geben - aber auch keinen Promi-Malus und keine Vorverurteilung."
Der Münchner Oberbürgermeister und SPD-Landtagsspitzenkandidat Christian Ude sagte der "Welt am Sonntag": "Ganz allgemein gesprochen muss ich sagen, dass ich es seit Jahren nicht verstehe, warum die CSU so viele Sympathien für Steuerhinterzieher hegt, obwohl sie sonst so für Law and Order auftritt." Dass Hoeneß "so heftige Sympathien für die CSU" hege, finde bald vielleicht eine zusätzliche Erklärung.

Bayerns Finanzminister Markus Söder wies die Kritik zurück. "Die Vorwürfe der Opposition sind eine Unverschämtheit und reiner Wahlkampf", teilte er mit. Bayerns Steuerverwaltung sei erfolgreicher und erziele bessere Ergebnisse als die Kollegen in anderen Ländern. Mit dem Steuerabkommen mit der Schweiz hätte man alle Steuersünder erwischt. "Das hat die SPD verhindert."

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sagte der Onlineausgabe der Münchner "Abendzeitung" am Samstag bei einem Termin in München, er sei bereits vor "einer geraumen Zeit" über das Verfahren informiert worden. "Das müssen jetzt die Justiz- und Finanzbehörden regeln."

"Kein Vorbild mehr"

Florian Pronold, Chef der Bayern-SPD, urteilte: "Uli Hoeneß ist kein Vorbild mehr." Sylvia Schenk, die Sportbeauftragte der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International, sieht Hoeneß beschädigt. Seine Glaubwürdigkeit sei "extrem erschüttert", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Hoeneß sagte laut "Focus", dass er die Angelegenheit ursprünglich über das von der Bundesregierung aus Union und FDP angepeilte Deutsch-Schweizer Steuerabkommen habe regeln lassen wollen. Dieses war aber im Bundesrat am Widerstand der von SPD und Grünen regierten Bundesländer gescheitert.

Gegen Hoeneß wendet sich nun auch, dass er seit seinem Rückzug vom Managerposten und der Wahl zum Bayern-Präsidenten im Jahr 2009 sein Engagement auf politischem und sozialem Terrain forciert hatte. Der Metzgerssohn, der auch mit großzügigen Spenden ein Herz für die Schwachen in der Gesellschaft beweist, äußerte sich in Talkshows auch zu Steuerfragen wie der Reichensteuer. Man müsse die Reichen im Lande behalten, warnte er, "damit sie hier gemolken werden können". Er verwies auch darauf, das die Bayern-Profis "schon jetzt eine Halbzeit für das Finanzamt" spielten.
Auch wenn den FC Bayern die "Privatangelegenheit" (Trainer Jupp Heynckes) des Präsidenten zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt trifft, erwarten die sportlich Verantwortlichen keine Auswirkungen auf das Champions-League-Spiel gegen den FC Barcelona am Dienstag. "Das in irgendeine Verbindung mit Barcelona zu setzen, ist völliger Quatsch", sagte Sportvorstand Matthias Sammer am Sonntag im TV-Sender "Sport 1".

In Hannover fehlte er

Als Beweis konnte er den 6:1-Sieg der Münchner Profis in Hannover anführen. "Uli Hoeneß ist für uns natürlich ein wichtiger Mann, aber wir äußern uns dazu nicht - und das belastet uns überhaupt nicht", versicherte Heynckes. Hoeneß war in Hannover nicht im Stadion - ein seltenes Ereignis beim FC Bayern. Mit der Steueraffäre belastet er "seinen" Club ausgerechnet in einer Saison, in der die Mannschaft mit dem Gewinn des Triples (Meisterschaft, Pokal und Champions League) sein sportliches Lebenswerk krönen könnte.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.