FC Bayern steht «loyal» zu Hoeneß
Politiker fordern volle Aufklärung

Der Bayern-Auftritt gegen Barcelona begeisterte den Präsidenten. Bild: dpa
Auf der Tribüne jubelte Uli Hoeneß befreit auf. Der Bayern-Auftritt gegen Barcelona begeisterte den Präsidenten. Nach dieser Gala erhielt er dann noch jede Menge Unterstützung von den Club-Größen. Aber die Affäre rollt weiter. Ob CSU oder SPD - alle fordern volle Aufklärung.

München. (dpa) In der Steueraffäre um Uli Hoeneß stärkt der FC Bayern seinem Präsidenten demonstrativ den Rücken - trotz vorübergehender Festnahme und brisanter Enthüllungen. «Ich glaube, es ist wichtig, dass man in einer schwierigen Situation auch loyal zu seinem Freund steht, und ich habe den Eindruck heute ganz klar gewonnen, dass der gesamte FC Bayern total loyal zu unserem Freund Uli Hoeneß steht», sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem 4:0 gegen den FC Barcelona im Halbfinal-Hinspiel der Champions League.

Spitzenpolitiker wie Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück fordern volle Aufklärung in der Causa. Hoeneß selbst rechnet wegen seiner Verfehlungen mit einem persönlichen Imageschaden. «Mir ist klar, dass meine Glaubwürdigkeit darunter leidet. Aber da muss ich jetzt durch», sagte der Unternehmer und Aufsichtsratschef des deutschen Fußball-Rekordmeisters aus München der «Sport Bild». Einen Rücktritt von seinen Ämtern hatte er zuletzt ausgeschlossen.

Nach einer Selbstanzeige im Januar ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft gegen Hoeneß wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.

Im Zuge der Steueraffäre war er laut der «Süddeutschen Zeitung» im März vorläufig festgenommen worden. Gegen ihn lag nach «SZ»-Informationen ein Haftbefehl vor, der außer Vollzug gesetzt wurde. Dies wurde der dpa aus Justizkreisen bestätigt. Ein Haftbefehl muss nicht der Grund für eine gescheiterte Selbstanzeige sein. Der Anwalt von Hoeneß gab auf Anfrage keinen Kommentar ab.

Am Dienstagabend verfolgte Hoeneß auf der Tribüne den Sieg seiner Bayern und jubelte äußerlich gelöst über die Gala-Vorstellung der Mannschaft. Auch beim Rückspiel in Barcelona dürfte er sein Team wohl begleiten. Zudem hatte er schon vor zwei Wochen den Viertelfinalerfolg bei Juventus Turin gefeiert.

Der Clubpatriarch sei «im Moment nicht glücklich und angespannt», berichtete Rummenigge. «Aber ich glaube, er hat eben hier im FC Bayern eine Bastion, die total stabil zu ihm steht.»

Auch Ehrenpräsident Franz Beckenbauer nahm seinen langjährigen Weggefährten in Schutz. «Der Uli ist so, er kämpft an allen Fronten, er macht zehn Dinge gleichzeitig, da vergisst er halt zwischendurch mal was», meinte der Weltmeister von 1974 beim Pay-TV-Sender Sky. Die Börse sei ein «Hobby» von Hoeneß gewesen. «Das war sein Spielzeug, er hat damit gespielt. Dass er ein bisschen übertrieben hat - ich weiß auch nur das, was in den Zeitungen steht, und vergessen hat, Steuern abzuführen, dafür muss er halt geradestehen.»

Die Verdienste um den deutschen Fußball hob auch Innenminister Friedrich hervor - ungeachtet dessen erwartet der CSU-Politiker volle Aufklärung nach Recht und Gesetz. «Wir akzeptieren keine Steuerhinterziehung.» Falls sich die Vorwürfe gegen Hoeneß als richtig herausstellten, «ist es nicht in Ordnung. Und da muss er auch so behandelt werden wie jeder Bürger. Nicht schlechter, nicht besser. Dafür haben wir Gesetze und die Gesetze gelten.»

Steinbrück forderte ebenfalls eine Untersuchung «wie bei jedem anderen auch». Auf die Frage, ob Hoeneß zurücktreten oder seine Ämter ruhen lassen solle, sagte der frühere Finanzminister im ARD-«Morgenmagazin»: «Das muss er selber entscheiden, das muss er abwägen mit Blick auf die Verfehlungen, eventuell sogar die Straftaten, die er begangen hat.»

Die «Süddeutsche Zeitung» und die «Bild» hatten berichtet, dass in die Affäre um Hoeneß auch der frühere Adidas-Vorstandsvorsitzende Robert Louis Dreyfus verwickelt gewesen sein soll. «Etwaige private Geschäfte zwischen Robert Louis-Dreyfus und Uli Hoeneß kann der adidas Konzern nicht kommentieren», teilte der Sportartikelhersteller und Bayern-Hauptsponsor der dpa auf Anfrage mit.

Der ehemalige Konzern-Chef sei nicht in Verhandlungen über «die strategische Partnerschaft» mit dem Club involviert gewesen, hieß es zudem. Herbert Hainer hatte das Amt des Vorstandsvorsitzenden am 8. März 2001 von Dreyfus übernommen, die Partnerschaft zwischen Adidas und den Münchnern wurde am 18. September 2001 bekanntgegeben.
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