19.03.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Feinstaub-Konzentration überschreitet regelmäßig zulässigen Grenzwert Dickes "Frühlingslüfterl"

Das laue "Frühlingslüfterl" kommt für so manchen Oberpfälzer als dicke Luft daher: Regelmäßig registrieren die Messstationen in der Region zu hohe Feinstaub-Werte. Die Situation ist in ganz Bayern die gleiche. SPD und Grüne fordern die Staatsregierung bereits zum Handeln auf.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Feinstaub gilt als Ursache für schwere Atemwegserkrankungen. Luftpartikel mit weniger als zehn Mikrometer Durchmesser können tief in die Lunge vordringen und setzen sich dort hartnäckig fest. Besonders gefährlich sind nach Expertenmeinungen die Teilchen von Dieselabgasen. Sie sind Träger krebserregender Stoffe und vergrößern das Lungenkrebsrisiko.

Die Europäische Union hat mit einer Richtlinie reagiert: Seit Anfang des Jahres darf der Wert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter nur noch 35 Mal im Jahr überschritten werden. Ein Luftschloss: München hat die Grenzwert-Latte in den ersten drei Monaten des Jahres schon 30 Mal gerissen. Der Feinstaub ist überall, nicht nur in den Großstädten. In Weiden lag der Mittelwert alleine im März an fünf Tagen über dem zulässigen Grenzwert - am 5. März mit 90 Mikrogramm pro Kubikmeter fast doppelt so hoch wie erlaubt.

Meteorologen rätseln

Das bayerische Landesamt für Umweltschutz (LfU) hat in der Oberpfalz fünf Messstationen eingerichtet. Außer in der Weidener Nikolaistraße wird die Luft auch am Regensburger Rathaus, in der Wackersdorfer Straße in Schwandorf, im Sulzbach-Rosenberger Ortsteil Lohe und am Altenschneeberg in Tiefenbach (Kreis Cham) untersucht.

Überall zeigt sich das gleiche Bild: In der ersten Märzwoche gab es in der ganzen Oberpfalz über Tage hinweg zu hohe Feinstaub-Werte. Weiden verzeichnet im März, wie Sulzbach-Rosenberg, bereits fünf Tage mit zu hoher Konzentration, Schwandorf sechs und Regensburg sogar acht Tage. Über die Ursache der "dicken Luft" gerade in der Zeit von 3. bis 7. März rätseln die Fachleute. "Am Wetter kann es nicht gelegen haben", sagt Silvano Krieger von der Weidener Wetterstation. In der ersten Märzwoche seien die Luftmassen über Süddeutschland in Bewegung gewesen.

Die Politiker beraten jetzt über geeignete Gegenmaßnahmen. "Luftreinhaltepläne" mussten die Kommunen im vergangenen Jahr ausarbeiten, mit Vorschlägen wie die Pflanzung von Baumalleen oder den Bau von Ortsumgehungen. "Das wird auf Dauer nicht zum gewünschten Erfolg führen", sagt die Staatssekretärin im bayerischen Umweltministerium, Emilia Müller (CSU) aus Bruck (Kreis Schwandorf). Sie setzt auf die Einführung des Rußfilters für Dieselmotoren.

Keine City-Maut

Ob die Bayerische Staatsregierung zu so drastischen Maßnahmen greift, wie die Regionaladministrationen in Italien, wo wegen zu hoher Feinstaub-Konzentrationen Fahrverbote auf der Tagesordnung stehen, glaubt die Politikerin nicht. "Die Grünen wollen ja eine City-Maut für München einführen. Das gibt es mit uns nicht." Handlungsbedarf besteht. Erst am Freitag überschritt München den zulässigen Grenzwert um 130 Prozent. In Regensburg und Schwandorf fiel die Marke zuletzt am Mittwoch.

Die aktuellen Luft-Messwerte im Internet:

www.stmugv.bayern.de

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