02.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Finanzamt-Mitarbeiter erschossen - Steuerberater offenbar der Täter Angst in der Amtsstube

Stumm verlassen die Mitarbeiter des Finanzamtes in Rendsburg am späten Mittag das Gebäude. Sie gehen an wartenden Journalisten vorbei. Der Schrecken steht ihnen ins Gesicht geschrieben: Einer ihrer Kollegen ist am Montag von einem aufgebrachten Kunden erschossen worden. Der mutmaßliche Schütze ist Steuerberater. Ein ähnliches Verbrechen geschah in Neuseeland.

Der Tod des Mitarbeiters schockierte seine Kollegen. Das Finanzamt Rendsburg (Schleswig-Holstein) bleibt daher zunächst geschlossen. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Dort tötete ein Mann mit mehreren Schüssen zwei Mitarbeiter eines Arbeitsamts und verletzte einen dritten schwer, wie Medien unter Berufung auf die Polizei meldeten.

Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) als oberste Dienstherrin reagiert sofort und fährt von Kiel nach Rendsburg. Die Betroffenheit in der Landesregierung sei groß, sagt sie sichtlich mitgenommen. Für die Mitarbeiter des Finanzamtes sei es eine schwierige Situation. "Und es wird sicherlich eine ganze Zeit brauchen, bis es verarbeitet ist."

Die Faktenlage, die nach außen dringt, ist zunächst dünn. Ein Mann, Mitte 50, sucht demnach am Montagvormittag das Finanzamt auf. Der Steuerberater begibt sich nach Angaben der Polizei in ein Büro im Erdgeschoss, beginnt ein Gespräch mit dem für ihn zuständigen Sachgebietsleiter. Die beiden Männer sind laut Ermittlern allein im Raum. Kurze Zeit später fallen Schüsse. Der 58 Jahre alte Behördenmitarbeiter wird schwer verletzt und stirbt im Krankenhaus. Der Täter kann mit einer Platzwunde am Kopf noch im Finanzamt festgenommen werden.

Warum es zu dem Streit kam, warum wieder ein Behördenmitarbeiter sterben muss - dazu kann die Polizei zunächst keine Auskunft geben. "Zur Motivlage können wir noch nichts sagen", sagt ein Polizeisprecher am Nachmittag. Auch zum Täter selbst wollen sich die Ermittler zunächst nicht weiter äußern.

Das Finanzamt, ein typischer Behördenbau, liegt am Rand der Innenstadt von Rendsburg, ein ruhiges Wohngebiet mit Einfamilienhäusern schließt sich an. Hier ist die schreckliche Tat am Mittag noch gar nicht überall bekannt. Eine ältere Dame, die in ihrem Garten arbeitet, kann es gar nicht fassen. "Echt, erschossen?" fragt sie. Mitbekommen hat sie von dem Vorfall nichts.

Im Rendsburger Finanzamt ist an Normalbetrieb erst einmal nicht zu denken. Am Montag und auch am Dienstag sollte das Amt geschlossen bleiben. Kriminaltechniker in weißen Anzügen und blauen Überschuhen haben die Räume in Beschlag genommen, sichern Spuren und vernehmen Zeugen. Das werde noch einige Zeit dauern, sagt der Sprecher.

Neuseeland: Täter obdachlos

Der mutmaßliche Täter in Neuseeland konnte nach einer Großfahndung gestellt werden. Der 48-Jährige sei frustriert und wütend gewesen sein, weil er trotz mehrerer Anträge weiter auf der Straße leben musste. Die Bluttat in der Kleinstadt Ashburton auf der Südinsel hatte in dem Land, das als äußerst friedlich gilt, eine große Suchaktion ausgelöst. Etwa 100 Beamte waren beteiligt. Auch ein Hubschrauber und eine Drohne mit Kamera waren im Einsatz, wie die Zeitung "Ashburton Guardian" berichtete.

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