26.05.2010 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Flurprozession über den Birka hat in Grafenwöhr eine lange Tradition "Erde singe, dass es klinge"

Bei herrlichstem Frühsommerwetter zog eine große Anzahl Gläubiger am Pfingstmontag durch Stadt und Flur, den Berg hinauf und ins Tal hinunter zu den vier Altären. Die Flurprozession über den Birka war heuer ein besonders beeindruckendes Glaubensbekenntnis.

Sehr zahlreich beteiligten sich die Gläubigen an der Flurprozession über den Birka. Die Ministranten mit Kreuz und Weihrauchkessel sowie Stadtpfarrer Bernhard Müller und Kaplan Thomas Richthammer mit dem Allerheiligsten unter dem Baldachin führten den langen Pilgerzug an. Das Bild entstand auf dem Höhenweg auf der Felsleite. Bild: Böhm
von Autor LBOProfil

Bis um das Jahr 1900 war die Flurprozession in Grafenwöhr wirklich eine solche. Da, wo heute die Wolfgangsiedlung ist, waren Felder und Wiesen.

1898 ließ Pfarrer Josef Hofmann einen Sandsteinquader mit gusseisernem Kruzifix an der Hutweide als ersten Altar der Flurprozession über den Birka aufstellen.

Stabszahlmeister Friedrich Bezzel schreibt 1936 dazu: "Sandstein, Grafenwöhrer Form - das bedeutet bei Bezzel von Steinmetz Reiter gestaltet - , das gewöhnliche Maß überschreitend, Marienbild ohne Text und ohne Jahreszahl. Es geht dort um."

"Wer oder was ging dort um?", fragte sich Kreisheimtpflegerin Leonore Böhm und forschte nach. Bis 1593 gab es einen kleinen Friedhof bei der Ursulakirche. Wasser gurgelte rechts und links der Pressather Straße durch Bierloh- und Kirchenweiher und der Wind heulte, der Bäume und Büsche durchfuhr.

Unter Beschuss

1945, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde der Bildstock von den Amerikanern unter Beschuss genommen. Man renovierte zwar, aber die erlittenen Unbilden hatten ihn ins Mark getroffen.
Vor 1958 wurde bei dem Bildstock eine Eiche gepflanzt. Als umtriebige Buben auf diesem Baumhaus spielten, fiel einer auf den Bildstock darunter und dieser zerbarst. Die Vorstandschaft der Siedlung besorgte den jetzigen Granitstein, der etwas weiter östlich aufgestellt wurde. Das gusseiserne Kruzifix ist das des ursprünglichen Steins. Die Kupfertafel zeigt das Jahr der Aufstellung, 1958.

Eine Grafenwöhrerin (F. Meier) wusste, dass der alte Bildstock am Beginn des Hohlweges stand. Und da musste es ja umgehen! Der Hohlweg hat im Laufe der Jahre sein Aussehen grundlegend geändert. Er hat sich zu einer pikfeinen Straße gemausert. Hohlweg zu sein, ist heutzutage ein Auslaufmodell. Spaziergänger lieben diese zwar, aber die Straßenbauer stören sie.

Was bei der Prozession heuer positiv ins Auge fiel, war das alte, gestickte Altartuch an der ersten Station. Hoffentlich bleibt es noch lange erhalten. Beim zweiten Altar musste das Sanctissimum, das Allerheiligste, auf den blanken Stein von 1960 gestellt werden.

Kuckuck singt mit

Beim dritten Altar erfuhr der Text des Eingangsliedes in der zweiten Strophe eine Bestätigung: "Was auf Erden ist und lebet, was in hohen Lüften schwebet..." Der Kuckuck sang lautstark mit beim Klingeln der Altarglocken.

Beim vierten Altar an der Felsmühle bedankte sich Stadtpfarrer Bernhard Müller bei allen Gläubigen für ihr Mitgehen, Mitsingen, Mitbeten und Mithelfen beim Ablauf der Flurprozession. Dazu passte das Lob- und Danklied (Gotteslob Nummer 832), das endet mit den Zeilen: "Was er schuf, was er gebaut, preis ihn laut."

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