25.06.2010 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Freistaat saniert Altlast-Ablagerung zwischen Galgen- und Annaberg - 1,2 Millionen Euro Kosten Wand drumherum und Deckel drauf

Der 7. Januar 1987 war ein teurer Tag für den Freistaat Bayern: Damals beschloss der Landtag, der finanziell sehr klammen Maxhütte einige nicht betriebsnotwendige Grundstücke abzukaufen. 52 Millionen DM flossen dafür, der tatsächliche Wert lag wohl bei etwa sieben Millionen. Enthalten in dem Paket: das Bruchgebiet mit seinen Altlasten. Jetzt saniert der Freistaat wieder eine Altdeponie, und zwar unterhalb des Galgenberges.

Idyllische Lage, aber gefährlicher Untergrund: In einer "Pinge" unterhalb des Galgenberges liegt belastetes Material. Bilder: Gebhardt (3)
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Schadstoffbelastetes Material findet sich in vielen Bergwerks-Hinterlassenschaften, so auch westlich des Annaberges. Bei der Altablagerung, bisher als Wiese in Erinnerung, handelt es sich um einen bergbaubedingten Einbruchtrichter, der in den 60er Jahren von der Maxhütte mit zum Teil belasteten Materialien verfüllt wurde. Die Tiefe dieser sogenannten Pinge liegt bei ca. 17 Meter, das Volumen wird auf ca. 120 000 Kubikmeter geschätzt. Diese Stelle muss saniert werden, damit das Grundwasser nicht allmählich durch Auswaschungen verunreinigt wird. Ähnliches geschieht zur Zeit in größerem Stil am Schlackenberg.

"Das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach freut sich, dass es gelungen ist, nach Abschluss der Erkundungs- und der Planungsphase und der Bereitstellung der erforderlichen Gelder durch das Staatsministerium der Finanzen nun mit den Sanierungsmaßnahmen zur Sicherung der Altablagerung Annaberg am Fuße des Galgenbergs beginnen zu können!" - ein langer Satz, auf dessen Anwendung Abteilungsleiter Gerhard Schustek vom Staatlichen Bauamt lange gewartet hat.

Kapselung gewählt

Im Zuge der Planungen wurden seit einigen Jahren verschiedene Varianten geprüft. Die nun begonnene Sanierung sieht eine Sicherung der Altlast in Form einer Kapselung vor. Neben einer Oberflächenabdichtung (wie im Deponiebau üblich) ist hier zusätzlich eine vertikale Dichtwand um den Deponiekörper herum bis zu einer Tiefe von zwölf Metern vorgesehen, um den unterirdischen, seitlichen Zutritt von Grund- oder Sickerwasser zu verhindern. Zur Herstellung der vertikalen Dichtwand kommt das sogenannte "Mixed-in-Place"-Verfahren zum Einsatz. Darunter versteht man eine Vermischung von Bindemitteln und Bodenmaterial an Ort und Stelle. Verwendet wird hierzu ein Spezialbohrgerät mit einer Dreifachschnecke. Die Bohrlöcher werden dabei mit der Bindemittelsuspension ausgefüllt, es entsteht dabei eine ca. 60 Zentimeter dicke, betonartige Dichtwand.

Den Zuschlag für die Durchführung der Arbeiten erhielt eine Arbeitsgemeinschaft der Fa. Englhard, Ammerthal, und der Fa. Bauer Umwelt GmbH, Schrobenhausen. Sie haben bereits mit der Umlagerung begonnen. Die Voruntersuchungen und die Sanierungsplanung übernahm das Sulzbach-Rosenberger Ingenieurbüro PROTECT Umweltschutz GmbH, ebenso die örtliche Bauüberwachung. Grundstückseigentümer ist der Freistaat Bayern. Die gesamte Abwicklung der Maßnahme erfolgt unter Federführung des Staatlichen Bauamts Amberg-Sulzbach.

Später ein sanfter Hügel

Entstanden ist bisher ein Erdbecken, das sich sicher zum Biotop entwickeln wird. Nächste Woche soll das Spezialgerät eintreffen, dann beginnen die Bohrungen für die Dichtwand. Wenn die "Kappe" aus Dichtmaterial und Ton einmal bewachsen ist, wird nur ein sanfter Hügel unterhalb des Galgenberges an die Ablagerung erinnern.

Eines lag Gerhard Schustek noch besonders am Herzen: das Engagement der "Immobilien Freistaat Bayern" in Regensburg. "Ohne deren Einsatz wäre der Baubeginn in diesem Zeitraum nicht zu realisieren gewesen!"

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