19.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Für Asylbewerber sind Jobs in Deutschland weitgehend tabu - Änderungen geplant Nur leben, nicht arbeiten

Für manche erfüllt sich der Traum von einem gut bezahlten Job in Deutschland nie. Andere Flüchtlinge warten jahrelang darauf, endlich ihren Lebensunterhalt ohne staatliche Hilfe bestreiten zu können. Zu hoch waren bisher die gesetzlichen und bürokratischen Hürden, die Asylbewerber bei der Jobsuche zu überwinden hatten

von Agentur DPAProfil

Doch das beginnt sich unter dem Eindruck des drohenden Fachkräftemangels zu ändern. Im Juli 2013 hatte die damals noch schwarz-gelbe Bundesregierung die bisherigen Regelungen gelockert und Asylbewerbern bereits nach einer Wartezeit von neun Monaten die Jobsuche erlaubt. Geht es nach dem Willen der schwarz-roten Koalition, sollen Flüchtlinge künftig sogar schon nach dreimonatigem Aufenthalt in Deutschland arbeiten dürfen. Die Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl begrüßt diesen Schritt zwar, den großen Durchbruch sieht sie darin aber noch nicht, wie der stellvertretende Geschäftsführer Bernd Mesovic betont. Mit der sogenannten Vorrangregelung bleibe Asylbewerbern weiterhin der Zugang zum Arbeitsmarkt erschwert. Diese sieht vor, dass Asylbewerber nur dann eine Beschäftigung aufnehmen dürfen, wenn für eine Stelle kein Jobsucher mit deutschem oder EU-Pass zur Verfügung steht.

Tatsächlich erhielten im Jahr 2013 nach Zahlen der Bundesagentur lediglich 6700 Asylbewerber oder geduldete Ausländer eine Arbeitsgenehmigung. In 2900 Fällen wurde sie Asylbewerbern und Geduldeten versagt. Nach Zahlen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge erhielt damit im Vorjahr nur etwa jeder siebte länger als neun Monate in Deutschland lebende Asylbewerber eine Arbeitserlaubnis.

Training und Fortbildung

Das vom Bundesarbeitsministerium und dem Europäischen Sozialfonds geförderte Projekt "Xenos" zeigt hingegen, dass Flüchtlinge keineswegs ohne Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind - eine entsprechende Förderung vorausgesetzt. Allein zwischen 2008 und 2009 hatten 28 Beratungsstellen 12 300 Bleibeberechtigte und Flüchtlinge betreut. "Davon wurden 22 Prozent in Arbeit oder eine duale Ausbildung vermittelt", heißt es in einer Zwischenbilanz des bis 2014 angelegten Projekts. Zu den Hilfen gehören Deutschkurse, Berufsberatung, Fortbildung, Bewerbungstraining und psychosoziale Hilfe.

Astrid Blascke, die im Zuge des "Xenos"-Projekts seit 2008 bleibeberechtigte Ausländer und Asylbewerber in Südostbayern unterstützt, stellte eine hohe Motivation bei den Flüchtlingen fest: "Sehr häufig fallen Asylsuchende, aber auch Personen mit Duldung durch hohe Leistungsbereitschaft und Durchhaltevermögen auf", berichtete sie.

Als Hürde bei der Vermittlung von Flüchtlingen sieht Blaschke, dass Asylbewerber normalerweise keinen Zugang zu Deutschkursen hätten. Manche Arbeitgeber schrecke aber auch die ungewisse aufenthaltsrechtliche Perspektive der Ausländer ab, berichtet die Beraterin im Münchner Sozialreferat. Ein Problem sei auch die Residenzpflicht. Wenn aber Asylbewerber die Region nicht verlassen dürften, in der sie untergebracht sind, behindere das ihre berufliche Fortbildung und die Job-Vermittlung.

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