23.02.2009 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Geplante monströse Christusstatue bei Wassertrüdingen in Mittelfranken erntet herbe Kritik "Kolossal kitschig und klischeehaft"

Die Pläne für eine 55 Meter hohe Christusstatue bei Wassertrüdingen (Landkreis Ansbach, wir berichteten) stoßen zunehmend auf Kritik.

So soll sie aussehen, die Christusstatue (Fotomontage). Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Ein derart gigantisches Bauwerk passe nicht in die kleinteilige Landschaft im südlichen Mittelfranken, sagte Bezirksheimatpflegerin Andrea Kluxen am Montag in Ansbach. "In die fränkische Region gehören Kapellen und Flurdenkmale, aber nicht Figuren monströsen Ausmaßes", betonte Kluxen. Die Pläne der Stadt für eine Monumentalplastik widersprächen zudem den Bemühungen um einen sanften Tourismus.

Ursprünglich wollte eine christliche Initiative des Unternehmers Harry Vossberg die größte Christusstatue der Welt auf dem 1614 Meter hohen Predigtstuhl errichten. Die Pläne des Investorenkreises waren jedoch im September 2008 am Widerstand des Stadtrates von Bad Reichenhall gescheitert. Der Stadtrat von Wassertrüdingen am Fuße des Hesselbergs hat dagegen vor einer Woche grünes Licht für das 20-Millionen-Euro-Projekt mit einem Pilgerhotel mit 185 Betten gegeben.

"Ich dachte zunächst, es handelt sich um einen Faschingsscherz", sagte die Bezirksheimatpflegerin der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Ich werde alle Mittel und Wege ausschöpfen, das Projekt zu verhindern", betonte Kluxen. Der Standort für das Werk, das der niederbayerische Künstler "Angerer der Ältere" realisieren soll, liegt laut Kluxen mitten im Bereich der Romantischen Straße, des Fränkischen Seenlandes und des UNESCO-Welterbes Limes. Durch die landschaftsprägende Position der Monumentalstatue, die höher sei als der Kirchturm von Wassertrüdingen, werde die Einbettung des Stadtbildes in die Landschaft erheblich beeinträchtigt, erklärte Kluxen.
Die beiden großen christlichen Kirchen im Freistaat wollten am Montag offiziell noch nicht zu dem Projekt Stellung nehmen. Ein Sprecher der evangelischen Landeskirche erklärte, das sei Sache der betroffenen Gemeinden. Ein Sprecher des Bistums Eichstätt äußerte sich skeptisch, betonte aber zugleich: "Es ist die Frage, ob wir überhaupt gefragt sind." Klare Worte fand dagegen der Kunstbeauftragte des evangelischen Kirchenkreises Nürnberg, Pfarrer Daniel Szemerédy. Er bezeichnete die bombastische Statue in den "Nürnberger Nachrichten" als "künstlerisch indiskutabel, kolossal kitschig und klischeehaft".

Der Bürgermeister der Stadt Wassertrüdingen, Günther Babel (CSU), erhofft sich von der Statue Impulse für den Tourismus in der strukturschwachen Region am Hesselberg. Die Gegend leide seit Jahren unter einem Bevölkerungsrückgang; um dem entgegenzuwirken, brauche es viel Engagement und kreative Ideen. Daher sei Vossberg mit seinem Angebot, den Bau eines Hotels mit dem Bau der Christus-Statue zu verknüpfen, bei ihm auf großes Interesse gestoßen. "Außerdem muss man als Christ im 21. Jahrhundert auch ein Zeichen setzen dürfen", fügte das Stadtoberhaupt hinzu.

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