06.09.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Gerhard Schröder entspannt mit Klaus Meine und Freunden im Kanzleramt - Hohe Zeit der ... Gelöste Unions-Politiker am Büfett

von Alexander Pausch Kontakt Profil

Am Ende verlagert sich das Geschehen in den Vorraum des Studios in Berlin-Adlershof. Das TV-Duell ist kommentiert. Jeder ist sich sicher, dass sein Mann oder seine Frau als Gewinner aus dem 90-minütigen Aufeinandertreffen im Fernsehen hervor gegangen ist. Zumindest haben die Politiker dies zuvor den Journalisten in die Blöcke und in Mikrofone diktiert. Jetzt entspannen Volker Kauder, Markus Söder, Michael Glos und Co. bei Pfälzer Wein und Köstlichkeiten vom Büfett.

Die Currywurst, mit der der hungrige Magen während der Debatte am Sonntagabend beruhigt werden musste, ist Geschichte. Dies, sagt CSU-Generalsekretär Söder nach dem Ende des TV-Duells zwischen dem Bundeskanzler und seiner Herausforderin, ist auch der Medienkanzler. "Wo ist der Medienkanzler, ich habe ihn nicht gesehen." Söder klopft seinem Amtskollegen von der Union, Volker Kauder, auf die Schulter. "Angela Merkel ist klarer Sieger. Sie war Spitzenklasse."

Und naturgemäß sieht Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier den Bundeskanzler vorn: "Gerhard Schröder war stark". Er redete von oben herab, war arrogant? Davon habe er nichts bemerkt, sagt der Kanzlervertraute kühl. Und SPD-Generalsekretär Klaus-Uwe Benneter beginnt auf der - tatsächlichen oder vermeintlichen - geheimen Streichliste von Paul Kirchhof herumzureiten, so wie er dies auch am Tag danach machen wird.

Jetzt aber, unmittelbar nach dem TV-Duell, ist die hohe Zeit der PR-Strategen, der Spin-Doktoren. Es gilt den Berichten der Journalisten - rund 600 verfolgten das Geschehen - den richtigen Dreh zu geben. So verteilt die CDU ein Papier auf dem sie die Fehler des Kanzlers auflistet, und sie stellt diese ins Internet, sowie die SPD ihre Liste mit den Ausrutschern von Merkel.

Doch nicht nur Politiker, auch Journalisten versuchen sich als Meinungsmacher: Der stellvertretende Chefredakteur und Berliner Büroleiter des Magazin "Stern", Hans-Ulrich Jörges, verkündet bereits kurz vor Ende des Duells, Angela Merkel sei die klare Siegerin und Schröder wie gelähmt. Jörges ist ein gesuchter Interview-Partner für TV- und Radiosender: Die Medien drehen sich um sich selbst. Geschickter agiert Michael Spreng. Der Ex-Medienberater verteilt fein dosiert Lob und Tadel und dies trifft Merkel und Schröder gleichermaßen.

Bereits während des Duells gab es Reaktionen der Gäste. Hin und wieder brandet Beifall auf, etwa als Schröder gegen Merkel eine verbale Spitze abfeuert: "Das schaffen Sie nicht." Oder als diese erwidert, es sei "blanker Hohn", zu sagen, dass die sieben Jahre Rot-Grün gut für das Land seien.

Nur Regisseur und Drehbuchautor Dieter Wedel befasst sich mit den Moderatoren. Er spricht von einer "Niederlage der Journalisten". Bei Christiansen und Co. vermisste er das Nachfragen und Nachhaken.

"Sieger ist derjenige, der am 18. September gewählt wird", sagt Klaus Meine viel sagend. Aber nach den derzeitigen Umfrage-Ergebnissen ist dies Angela Merkel. Wohl nicht im Sinn von Meine. Denn der Scorpions-Sänger gehört zur kleinen Runde, die den Abend zusammen mit Gerhard Schröder im Kanzleramt ausklingen lässt.

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