08.10.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Geschäftsmodell mit Hypo Real Estate nicht zu vergleichen - "Einlagen sind vollkommen sicher" Entwarnung bei Oberpfälzer Banken

Ruhe und Besonnenheit - das ist es, wozu die Chefs der regionalen Banken besorgten Sparern raten. Die internationale Bankenkrise, da ist Werner Dürgner, Vorstandsmitglied der Sparkasse Amberg-Sulzbach, überzeugt, wird nicht auf die Oberpfälzer Bankenlandschaft durchschlagen.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Dürgner und der stellvertretende Sparkassen-Vorstand Michael Püttner betonen: "Die Einlagen bei uns sind umfassend geschützt und vollkommen sicher." Die Sparkassen arbeiteten nach einem bewährten Geschäftsmodell: "Wir nehmen Kundeneinlagen vor Ort entgegen und vergeben diese auch in erster Linie wieder als Kredite in unserer Region, sowohl an Unternehmen und Gewerbetreibende als auch an Privatkunden für den Wohnungsbau oder für andere Anschaffungen." Das entspreche dem gesetzlich festgelegten Auftrag der Sparkassen, erklärt Dürgner. "Dieses Geschäftsmodell sorgt dafür, dass wir unsere Risiken beherrschen."

Gleichwohl seien die Kunden verunsichert. Sowohl bei den Sparkassen in Amberg, Weiden und Schwandorf, als auch bei den Genossenschaftsbanken in der Region glühen seit Montag die Drähte. Am Montag hatte die Bundesregierung eine Garantieerklärung für alle Spareinlagen abgegeben. Der Deutsche Aktienindex verzeichnete die stärksten Tagesverluste seit Bestehen. "Wir stellen gravierende Ängste fest", erklärt Gerhard Ludwig, Vorstandssprecher der Volksbank Nordoberpfalz in Weiden. "Aber wir können die Leute beruhigen."

Kunden kommen zurück

Ludwig unterstreicht, dass die Geschäftspolitik der krisengeschüttelten Hypo Real Estate nicht mit dem einer kleinen, bodenständigen Bank verglichen werden könne. "Wir finanzieren private Projekte und stellen Geld für den Mittelstand in der Region zur Verfügung", erklärt er. "Wir wirtschaften solide." Das könne man auch daran sehen, dass die Volksbank Nordoberpfalz einen Liquiditätsüberschuss verzeichne. Bei aller Brisanz kann Ludwig der internationalen Bankenkrise auch etwas Positives abgewinnen. Jetzt bewährt sich seiner Meinung nach das "alte Modell".

Mit Blick auf Tagesgeld-Zinssätze von mehr als fünf Prozent sagt er: "Je höher die Gier, desto größer das Risiko." Mit einem "normalen Geschäft" seien exorbitante Renditen nicht realisierbar. "Unsere Solidität kommt uns jetzt zugute." Die kleinen Banken seien auf einmal wieder gefragt.

Von einem vermehrten Zulauf berichtet Gerhard Hösl, Vorstandsmitglied bei den Vereinigten Sparkassen in Neustadt/WN. "Jetzt kommen viele Kunden wieder zu uns zurück", sagt er. "Der Trend zum schnellen Geld muss nun der Sicherheit weichen." Viele kehrten den renditeorientierten Anlageformen den Rücken und brächten ihr Geld wieder zur Sparkasse oder den Regionalbanken, weil sie es dort für sicherer befänden.
Entwarnung auch bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Niederbayern/Oberpfalz in Regensburg. "Direkte Auswirkungen auf die Wirtschaft in der Region sind nicht zu erwarten", sagt Josef Beimler, Geschäftsführer des Industrieausschusses. Kredite und Guthaben seien gesichert. Allerdings könnte es bei exportorientierten Unternehmen indirekte Auswirkungen geben. Wenn die Bankenkrise beispielsweise in den USA zu einem Rückgang der Kaufkraft führt, spüren das auch Betriebe in der Oberpfalz. Doch Beimler fasst zusammen: "Wir sehen keinen Grund zur Sorge. Die Konjunktur läuft noch gut, auch wenn die Erwartungen schlechter werden."

Zinssenkung erwartet

Beim Zinsniveau stellt nach wie vor die Europäische Zentralbank die Weichen. Die Banker in der Region und auch die IHK gehen davon aus, dass der Leitzins in absehbarer Zeit etwas sinkt. Auch das sei nicht beunruhigend, meint Beimler. "Die Kreditvergabe erfolgt aufgrund der Finanzmarktkrise in Zukunft vielleicht etwas sorgfältiger. Aber da müsste sich ein gut aufgestelltes mittelständisches Unternehmen eigentlich nicht fürchten."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.