02.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Haderthauer stürzt am Ende schneller als erwartet - Seehofer bleibt Hängepartie erspart Mit Modellautos auf Talfahrt

Nur drei Minuten braucht Christine Haderthauer am Montagabend in der Staatskanzlei, um vor den Journalisten ihren Rücktritt zu erklären. In einem "sehr freundschaftlichen Gespräch" habe sie Ministerpräsident Horst Seehofer zuvor ihren Entschluss mitgeteilt. Der lässt mitteilen, er persönlich bedaure es, ein meinungsstarkes und couragiertes Kabinettsmitglied verloren zu haben.

Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU) trat am Montag überraschend vor die Presse und erklärte ihren Rücktritt. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Mit Haderthauer verliert Seehofer tatsächlich eine politische Allzweckwaffe, die stets lautstark für die bayerischen Belange und die der CSU gekämpft hat, in Berlin und anderswo. Allzu leicht wird es für Seehofer nicht, die 51-Jährige zu ersetzen. Und doch ist Haderthauer, vor allem aber auch Seehofer selbst in den vergangenen Wochen offenbar zu der Erkenntnis gelangt, dass es so nicht weitergeht. Zwar haben die Betrugsermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Haderthauer bisher zu keinen öffentlich bekannten Ergebnissen geführt. Zwar ist die CSU-Politikerin nicht der Lüge überführt. Zwar gibt es auch ansonsten keinen Vorwurf, der unweigerlich zum sofortigen Rücktritt hätte führen müssen. Allerdings ist die Summe der immer neuen Fragen, der immer neuen Zweifel am Gebaren Haderthauers schlichtweg zu groß geworden - auch und besonders für Seehofer.

Geschäfts-Modelle

Der Fall Haderthauer gleicht mittlerweile einem fast undurchdringlichen Dickicht. Da ist Haderthauers Ehemann Hubert, von Beruf Landgerichtsarzt, der irgendwann damit begann, Geschäfte mit von Straftätern gebauten Luxus-Modellautos zu machen. Der talentierteste Bastler war ein in der Psychiatrie untergebrachter Dreifachmörder. Mit im Boot bei der Firma Sapor Modelltechnik war über viele Jahre hinweg Christine Haderthauer, damals noch nicht in der aktiven Politik. Als sie 2003 in den Landtag gewählt wird, steigt sie aus der Firma aus - wobei es inzwischen auch Zweifel gibt, ob dieser Ausstieg rechtlich korrekt abgewickelt wurde. Und heute wirft der damalige Geschäftspartner der Haderthauers, Roger Ponton, dem Ehepaar vor, sie 2011 bei einer Abfindungsvereinbarung übers Ohr gehauen zu haben.

Rechtlich, so sagt Haderthauer, ist sie sich ihrer Sache nach wie vor sicher. Allein wegen des Ermittlungsverfahrens sei ein Rücktritt "nicht angemessen", an dieser Einschätzung habe sich nichts geändert. "Damals wie heute bin ich auch davon überzeugt, dass ich die juristischen Vorwürfe vollständig ausräumen kann." Auch Seehofer betont am Montag, es gelte weiter die Unschuldsvermutung. Eine monatelange Hängepartie mit einer derart angeschlagenen Ministerin aber konnte sich der Regierungschef nicht leisten. Was, wenn das Ermittlungsverfahren noch Monate dauert? Zudem hatte die Opposition eine Sondersitzung des Landtags erzwungen, für den 16. September. Auch ein Untersuchungsausschuss soll Licht ins Dunkel bringen.

Dem Druck gewichen

Das alles mit Haderthauer auf einem der wichtigsten Schaltposten hätte die CSU-Arbeit schwer beeinträchtigt. Darauf verweist auch Haderthauer in ihrer Rücktrittserklärung. Zur Klärung der vielen Fragen brauche sie "Kraft und Konzentration". Und es sei zu befürchten gewesen, dass die mediale Berichterstattung ansonsten ihr Amt und die damit verbundenen politischen Themen komplett überlagern würde. Den entscheidendsten Fehler der vergangenen Wochen hat Haderthauer nach Einschätzung von Parteifreunden möglicherweise gemacht, als sie ihr Engagement in der Firma Sapor Modelltechnik als "von Idealismus getragen" bezeichnete. Diese Äußerung kritisierte sogar Seehofer.

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