31.08.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Hängepartie um Sanierung dauerte zu lange - Etwa 400 Mitarbeiter betroffen - Vorwürfe um ... Porzellanfabrik meldet Insolvenz an

Die Porzellanfabrik Mitterteich AG hat am Montag beim Landgericht Weiden Insolvenzantrag gestellt. Dem Unternehmen mit etwa 400 Arbeitsplätzen drohe die Zahlungsunfähigkeit, hieß es am Nachmittag in einer Mitteilung. Zuvor waren monatelange Verhandlungen mit Banken und Gläubigern gescheitert.

Die Porzellanfabrik Mitterteich: Hier arbeiten derzeit noch etwa 400 Menschen - wie sicher sind ihre Jobs? (Bild: Ascherl)
von Stefan Zaruba Kontakt Profil

In der Mitteilung des Unternehmens wurden zudem Vorwürfe um Ungereimtheiten in Bilanzen der Vorjahre publik. Diese seien "bis einschließlich 2002 entgegen den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung aufgestellt" worden. Der Aufsichtsratsvorsitzende und Mehrheitsaktionär Helmuth Newin sprach auf Anfrage von "nicht ausgewiesenen Verlusten" in Höhe von fünf Millionen Euro.

Rückblende: Im August 2002 übernahm der Regensburger Unternehmer Newin die Aktienmehrheit an der Porzellanfabrik. Der damalige Vorstandsvorsitzende Fritz Zeitler schied aus dem Unternehmen aus. Alters- und krankheitsbedingt, wie es hieß. In der Mitteilung des Unternehmens vom Montag heißt es nun: "Durch eine Geschäftsführung, die den Erfordernissen der Gesellschaft nicht gerecht wurde, entstanden hohe Verluste.

Schwer nachvollziehbare Investitionspolitik und fehlende Rationalisierung sind nur zwei Gründe für die hohen Verluste bis einschließlich 2002." Und die Vorwürfe werden noch deutlicher: "Nicht auszuschließen ist, dass die Verbindung von Organfunktion und Aktionärsstellung vor dem Verkauf der Aktienmehrheit ebenfalls zu dieser Situation beigetragen hat."

Laut Mitteilung und auch nach Angaben des Aufsichtsratsvorsitzenden gegenüber unserer Zeitung seien bei einer externen Untersuchung Unregelmäßigkeiten in früheren Bilanzen aufgetaucht: "Die überprüften Bilanzen waren bis einschließlich 2002 entgegen den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung aufgestellt und wiesen die bis 2002 aufgelaufenen Verluste in Millionenhöhe nicht aus."

Diese Jahresabschlüsse seien im Unternehmen aufgestellt und von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft testiert worden. Newin: "Da hätte man schon drüber stolpern müssen". Der Aufsichtsratschef schließt nicht aus, dass das Gebahren strafrechtliche Folgen nach sich ziehen wird: "Wenn Staatsanwaltschaft und Finanzamt ihren Job ernst nehmen, werden sie von sich aus das Interesse der Öffentlichkeit wahrnehmen."

"Eine Katastrophe"

Doch die Insolvenz der Porzellanfabrik hat noch eine weitere Facette: Das Unternehmen wäre nach einhelliger Meinung seiner Verantwortlichen und des in Sanierungsfragen erfahrenen Bundestagsabgeordneten Ludwig Stiegler (SPD) zu retten gewesen. Um den Standort und einen Großteil der Arbeitsplätze zu erhalten, wurde ein Rettungsplan erstellt, der den Hauptlieferanten einen Verzicht auf einen Großteil der Forderungen abverlangte. Die beteiligten Banken hätten, so heißt es in der Mitteilung, auf etwa 50 Prozent ihrer Kredite verzichten müssen.

"Leider ließen sich insbesondere öffentlich-rechtlich bestimmte Institute (die Sparkasse Tirschenreuth ist zumindest in der Endphase nicht gemeint) auch nicht durch politische Überzeugungsarbeit zu einer rechtzeitigen positiven Entscheidung bewegen." Das Unternehmen würdigt ausdrücklich das Engagement Stieglers. Diesen traf die Nachricht aus Mitterteich am Montag "wie ein Schlag in die Magengrube". Für die Nordoberpfalz sei die Insolvenz "eine Katastrophe". Auch Stiegler lobte im Gespräch mit unserer Zeitung die Kooperation der Privatbanken.

Die Hängepartie um die Rettung dauerte zu lange: Letztlich habe, so das Unternehmen, der Lieferant von dringend benötigten Putz-Robotern diese an ein Konkurrenzunternehmen in Polen geliefert. Solche zurückgestellten Investitionen hätten ein Loch von 1,5 Millionen Euro in den Umsatz gerissen. Wichtige Kunden hätten sich Zweitlieferanten aufgebaut. "Es ist bedauerlich, dass falsche Unternehmenspolitik einerseits und Uneinsichtigkeit in eine gegebene Situation andererseits ein regional bedeutendes Unternehmen mit zirka 400 Arbeitsplätzen in die Insolvenz treiben." So schließt die Erklärung des Vorstands.

Helmuth Newin ging am Montag davon aus, dass bereits heute ein vorläufiger Insolvenzverwalter seine Arbeit aufnimmt. Gewerkschafter hoffen auf eine Übernahme durch Porzellan-Unternehmen, die von Mitterteich aus beliefert wurden.

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