29.09.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Häufchen Neonazis konnte Michel Friedmans Lesung nicht beeinträchtigen: Großer Wirbel um kleine Demo

Ein skurriles Szenario war das am Dienstagabend am Haidplatz. In einer Art Gitterkäfig 17 Rechtsextreme von der "Kameradschaft Asgard Ratisbona" mit Willi Wiener an der Spitze. Um sie herum gut doppelt so viele Bereitschaftspolizisten. Außerhalb einer weiträumigen Absperrung an den Eingängen des Platzes, ebenfalls von Polizei und Gittern gesäumt, etwa 80 Gegendemonstranten aus dem linken Lager.

Hatte trotz der Krawalle vor dem Gebäude in Regensburg gut Lachen: Autor Michel Friedman mit seinem Roman. (Bild: dpa)
von Redaktion OnetzProfil

Anlass des Spektakels: Im Thon-Dittmer-Palais liest Michel Friedman, früherer Vizepräsident im Zentralrat der Juden. In Friedmans Lesung aus seinem Roman "Kaddisch vor Morgengrauen" und in die anschließende Diskussionsrunde dringen abgehackte Sprechchöre. Rechts- und Linksradikale skandieren sie gegeneinander.

Der ehemalige Talkmaster und CSU-Politiker beachtet sie nicht. Nur ganz zu Anfang eine Randbemerkung: Er, so Friedman, hätte aus seinen Verfehlungen gelernt, "die da unten" wohl nicht. Und später: "Ich würde mir Sorgen um mich machen, wenn alle mich mögen würden ." Andererseits seien Demonstrationen dieser Art ein Stück unseres Alltags geworden - das stimme bedenklich.

Währenddessen verlesen "die da unten" ein Flugblatt und haben Transparente entrollt. "Kameradschaft Asgard Ratisbona" und "Gegen Drogen und Prostitution": Anspielung auf Michel Friedmans Kontakte zu Zwangsprostituierten und seine Kokain-Affäre, wegen der er 2003 alle seine Ämter niederlegte und sich von der nach ihm benannten Fernseh-Talkrunde zurückzog. Während Willi Wiener - ohne Megaphon im Schein einer Taschenlampe - den Text eines Flugblatts verliest, haben auch die Gegendemonstranten vor den Absperrungen ein Transparent entrollt. "Willi Wiener und seine Deutschländer Würstchen" steht darauf.

Gegen 21.30 Uhr versuchen ein paar Gegendemonstranten, die Sperrgitter zu überwinden. Die Polizei verhindert es, es kommt zu Beleidigungen und Widerstand gegen die Beamten, drei "Linke" werden festgenommen, andere vom Platz verwiesen.

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