18.04.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Hamburger Nachwehen: Ole von Beust setzt Ex-Oberpfälzer Udo Nagel vor die Tür Vom Senat ins Wohnmobil

Er ist in Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) aufgewachsen und sorgte vier Jahre lang als oberster Gesetzeshüter in Hamburg für Recht und Ordnung. Jetzt verliert Udo Nagel (56) seinen Job als Innensenator der Freien Hansestadt. Nach Abschluss der Koalitionsvereinbarungen setzte Bürgermeister Ole von Beust (CDU) den parteilosen Ex-Oberpfälzer vor die Tür.

Hamburgs scheidender Innensenator Udo Nagel. (Bild: dpa-Archiv)
von Uli Piehler Kontakt Profil

"Ja, das ist für mich überraschend gekommen", sagte Nagel am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Koalitionsverhandlungen habe er abwartend verfolgt. "Das lassen wir mal auf uns zukommen, habe ich mir gedacht."

Am Mittwoch um 14.45 Uhr - der Koalitionsvertrag zwischen CDU und den Grünen war zu diesem Zeitpunkt bereits unter Dach und Fach - habe ihn Ole von Beust zu einem Gespräch gebeten. "Nicht die Grünen waren ausschlaggebend, sondern die CDU", sagte Nagel. Wegen der Verluste bei der Bürgerschaftswahl standen für die CDU insgesamt weniger Posten zur Verfügung.

"Da war kein Platz mehr für zwei Parteilose im Senat." Einzige Parteilose in dem Gremium wird Kultursenatorin Karin von Welck sein.

Von Beust habe ihm gesagt, dass nicht die Leistung entschieden habe, sondern der Parteienproporz. Nagel: "Er war mit meiner Arbeit zufrieden". Der Ex-Oberpfälzer ist in Hamburg für sein hartes Durchgreifen bekannt. Auf der Reeperbahn führte er vor zwei Jahren eine Nonstop-Videoüberwachung öffentlicher Plätze ein. 2007 erklärte er die Vergnügungsmeile unter Androhung scharfer Strafen zur "waffenfreien Zone". Vehement kämpfte er für ein Verbot von Scientology.

"Ich bin nicht geschockt und ich bin nicht traurig", erklärte Nagel am Freitag telefonisch, als er sich auf dem Weg nach München zur Innenministerkonferenz befand. "Ich gehe erhobenen Hauptes in den Ruhestand."

Flasche Sekt aufgemacht

Seine Familie habe sich über die Nachricht gefreut. Nagel: "Die haben am Mittwochabend eine Flasche Sekt aufgemacht." Jetzt will er erstmal eine Auszeit nehmen. "Ich kauf mir jetzt ein Wohnmobil und dann hat sich die Sache." Der 56-Jährige ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Die Familie lebt in München. Nagel wurde sechs Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg in Görlitz (Sachsen) geboren.

Als er noch ein Kind war, zogen seine Eltern nach Vilseck im Landkreis Amberg-Sulzbach. In Sulzbach-Rosenberg ging er zur Schule. In den 70er-Jahren begann seine Karriere bei der bayerischen Polizei. 1987 stieg er in den höheren Dienst auf und leitete später das Dezernat 11 ("Straftaten gegen das Leben") in München. Von 2001 bis 2002 führte er die Abteilung Verbrechensbekämpfung beim Polizeipräsidium München.

2002 berief ihn der damalige Innensenator Ronald Schill zum Polizeipräsidenten von Hamburg. Am 17. März 2004 trat Nagel Schills Nachfolge an.

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