Heilbronner Stimme
Pressestimmen

Die Tageszeitung kommentiert die Losvergabe für Presseplätze beim NSU-Prozess:

Mit seiner Entscheidung für ein Losverfahren, das an der Gesamtzahl der Pressevertreter nichts ändert, wird das Münchner Gericht der Bedeutung dieses Jahrhundertprozesses weiter nicht gerecht. Das Novum, den Prozess per Video in einen Zweitraum zu übertragen, will das Gericht nicht wagen. Dabei halten Ex-Verfassungsrichter diesen Weg juristisch für durchaus gangbar. Der Prozessaufakt steht also unter keinem guten Stern, hoffentlich bringt das Verfahren inhaltlich vieles ans Licht. Das, zugegeben, ist wichtiger als Wehklagen im Vorfeld.

FAZ

Das Frankfurter Blatt schreibt zum NSU-Prozess:

Das Oberlandesgericht München hat sich für die große Lösung entschieden, nachdem das Verfassungsgericht die ursprüngliche Zulassung der Öffentlichkeit als chancengleichheitswidrig beanstandet hatte. Nun heißt es: Alle zurück auf Los - und das Los entscheidet dann auch. Das Losverfahren, auf das in anderen Großverfahren bisher fast immer verzichtet werden konnte, wird auf zweifelhafte Weise eingeschränkt: Es gibt nämlich ein - dieses Mal nationales - Interesse an der durch die Bundesanwaltschaft verfolgten, ganz Deutschland durchziehenden Mordserie, das nur überregional erscheinende Zeitungen und Zeitschriften befriedigen können. Es kann sein, dass sie alle im Gerichts-Lotto leer ausgehen. Das kommt davon, wenn man Medien nur nach Erscheinungsweise unterscheidet statt nach Reichweite und Anspruch.

Die Welt

Das Blatt merkt zu den Ermittlungen nach den Terroranschlägen in Boston an:

Eine solche Terroristenjagd, von den Medien in Echtzeit übertragen, hat es noch nie gegeben. Man sollte sich jedoch hüten vor voreiligen Schlüssen. Neue technischen Errungenschaften geben uns die Möglichkeit, schneller und umfassender denn je informiert zu sein. Und es liegt in der Natur des Menschen, bei solch extremen Taten sofort die Frage nach dem Warum zu stellen. Aber die lässt sich eben nicht mit schnellen Twitter-Feeds vom Tatort beantworten. Es wird Wochen, vielleicht Monate brauchen, bis die Ermittler aus Puzzleteilen Weltsicht, Kontakte und Radikalisierungsweg der Brüder Tsarnaev rekonstruiert haben. Und selbst dann dürfte es schwer fallen zu erklären, warum die Brüder solchen Hass gegen ein Land hegten, das sie mit offenen Armen aufgenommen hat.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.