04.12.2010 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Hinter dem Patrozinium der Barbarakirche in Neudorf verbirgt sich Ortsgeschichte und eine ... Festtag für ein "heiliges Madl"

Der 15. Juni 1814 ging als schwärzestes Datum in die Geschichte Neudorfs ein: An diesem Tag wurde die 1347 erstmals urkundlich erwähnte Ansiedlung von einer Feuersbrunst "ganz vollkommen in die Asche gelegt, so dass man kaum mehr den Platz erkannte, wo dieselbe stund".

von Autor SEFProfil

Doch Landrichter Karl Franz Reisner Freiherr von Lichtenstern (1776 bis 1866) fackelte nicht lange, sondern wirkte "beständig und rastlos" darauf hin, dass der Ort unverzüglich mit "durchaus feuerfesten, gesunden und geschmackvollen Wohnungen" rasch wieder aufgebaut wurde. Der verheerende Brand hatte auch die erst 1770 erstellte Barbarakirche zerstört. Binnen fünf Jahren erstand sie wieder in barocker Schönheit.

Das geht aus der Bauinschrift über dem Chorbogen hervor: Die Abkürzung "IHS" bedeutet "Jesus - Heiland - Seligmacher". Sie taucht nochmals über dem rechten Seitenaltar auf. Dieses Kunstwerk ist St. Wendelin geweiht, der in der Barockzeit fast in jeder Landkirche anzutreffen war: Das Ölbild zeigt ihn kniend als frommen Hirten, zu Füßen eine Krone, im Hintergrund eine Landschaft mit Tieren.

Nach der Legende war Wendelin ein iro-schottischer Königssohn, weidete eine Herde, lebte später als Einsiedler und wurde schließlich zum Abt von Tholey (Saarland) gewählt. Als Schutzherr des Viehs verehrten ihn besonders die Bauern.
Am Hochaltar fällt zuerst der Tabernakel auf. Das wunderschöne Rokokowerk ist drehbar und bietet Platz für Kreuz, Monstranz und Speisekelch. Als Bekrönung dienen das "Buch mit den sieben Siegeln" und darauf das Opferlamm aus der "Geheimen Offenbarung". Auf dem großformatigen Gemälde wird die heilige Barbara in Szene gesetzt. Ihre Attribute sind Schwert, Kelch, Hostie und Turm mit drei Fenstern.

Wie kam die Patronin der Kirche, deren Fest am 4. Dezember gefeiert wird, zu diesen Merkmalen? Barbara lebte nach der Legende um 250 im kleinasiatischen Nikomedien. Ihr Vater wollte strikt jeglichen Kontakt seiner Tochter mit dem noch jungen Christentum unterbinden. Deshalb ließ er für sie einen unzugänglichen Turm als Wohnung ausbauen, in dem sie nur zwei Fenster mit der Außenwelt verbanden. Dennoch gelang es dem Kirchenlehrer Origines, als Arzt verkleidet, die junge Frau zu unterweisen und zu taufen.

Nothelferin

Als der Vater nach einer längeren Reise heimkehrte, fand er den Turm verändert vor: Barbara hatte ein drittes Fenster als Symbol der Dreifaltigkeit einfügen lassen. Dioskuros wollte seine Tochter zwingen, die Werbung eines reichen Heiden anzunehmen. Barbara aber weigerte sich selbst unter Androhung härtester Strafen, diesem Befehl Folge zu leisten. Sie hatte bei der Taufe nämlich Jungfräulichkeit gelobt. Schließlich gelang es ihr zu fliehen. Sie wurde aber wieder aufgegriffen und eingekerkert.
Obwohl der Vater mit dem Tode drohte, verharrte Barbara standhaft beim Christentum. Die tiefen Wunden, die ihr nun zugefügt wurden, heilten auf wundersame Weise über Nacht. Engel reichten ihr Wein aus einem Kelch und eine geweihte Hostie. Abermals wurde sie gefoltert und durch die Straßen getrieben. Als sie dann immer noch nicht bereit war, Christus zu verleugnen, enthauptete sie Dioskuros selbst. Zuvor aber betete sie für alle, die der Passion Christi und ihrer Marter gedenken, und bat für sie um Bewahrung vor Pest, Tod und Gottes Gericht. Die Bitte wurde erhört.

Im späten Mittelalter bewirkte diese Verheißung die Aufnahme Barbaras in die Schar der 14 Nothelfer. Vor allem rufen sie die Bergleute als Schutzherrin an. Die Kumpel vertrauen darauf, dass bei Sauerstoffmangel in der Tiefe die "Barbaralichter" erlöschen. Dann können sie sich noch schnell in Sicherheit bringen.

Um die Heilige des Advents entstanden im Mittelalter zahlreiche Volksbräuche, wie das Schneiden der Barbarazweige am 4. Dezember. Stellt man die Reiser von Kirsch- oder Apfelbäumen in warmes Wasser, so öffnen sich an Weihnachten die Blüten.
Dass der Neudorfer Hochaltar angeblich aus Pfreimd stammt, ist durchaus möglich. Bestanden doch über mehrere Jahrhunderte Beziehungen zum dortigen Franziskanerkonvent, der aus Neudorf Einkünfte bezog, hier regelmäßig Sonntagsgottesdienste zelebrierte und in der Säkularisation aufgelöst wurde. Zwei andere Nothelfer treffen wir auf den um die Jahrhundertwende eingesetzten Fenstern an. Eines ziert die Königstochter Katharina von Alexandrien. Deren Attribute sind Märtyrerpalme und Rad. Sie wurde unter Kaiser Maxentius ihres christlichen Glaubens wegen zu Tode gefoltert.

Einen Palmzweig präsentiert auch Margareta von Antiochien. Allerdings tritt die Märtyrerin einen Drachen mit Füßen, der sie im Gefängnis verschlingen wollte, aber auf ein Kreuzzeichen hin das Weite suchte. Margaretas Festtag am 20. Juli war im Bauernkalender einer der wichtigsten Lostage: Zeigte sich das Wetter zuvor von seiner guten Seite, begannen die Bauern mit der Ernte. Barbara, Katharina und Margareta heißen im Volksmund die "drei heiligen Madl".

Filialkirche

Von alters her ist Neudorf eine Filiale zur Pfarrei Luhe, deren Patron St. Martin ist. Da liegt es nahe, dass wir den fränkischen Reichsheiligen hier antreffen. Man identifiziert seine Silberbüste an Mitra, Hirtenstab und Gans. Angeblich verrieten die wachsamen Tiere das Versteck, als der bescheidene Mönch der Ernennung zum Bischof von Tours entgehen wollte.

Die wertvolle Skulptur fand bei der Renovierung 1996 rechts im Chorbogen einen gut sichtbaren Platz. Ihr gegenüber steht nahe beim Marienaltar Bischof Wolfgang. Hohe kirchliche Würden erreichte auch Johannes von Nepomuk. Die Legende erzählt, dass er sich weigerte, dem jähzornigen König Wenzel IV. das Beichtgeständnis seiner Gemahlin Sophie aus Bayern zu offenbaren, und deshalb in der Moldau ertränkt wurde.

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