27.10.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Hinter den Kulissen der Präsidentschafts-Schlacht bei US Army in Grafenwöhr: Keine Party erlaubt Papierkrieg statt Wahlkampf

Aus Samoa sind die Stimmzettel eingetroffen, von den Virgin Islands und jetzt auch aus der Oberpfalz: Die meisten im Ausland lebenden US-Bürger haben ihre Stimme für die Präsidentschaftswahl bereits abgeben. "Die Briefwahl ist im Großen und Ganzen gelaufen", sagt Sieglinde Schedl, offizielle Wahlhelferin für die US-Soldaten in Grafenwöhr.

Eine Wahlhelferin vor dem einzig erlaubten Plakatmotiv: "Es ist deine Zukunft - stimme für sie ab!". (Bilder: Piehler)
von Uli Piehler Kontakt Profil

Von den rund 8000 in der Oberpfalz lebenden Wahlberechtigten hätten bis jetzt etwas mehr als 3000 ihren Wahlschein abgeholt. "Damit ist aber noch nicht gesagt, dass die 3000 auch ihre Stimme abgegeben haben", erklärt Schedl. Die Wählerinnen und Wähler müssen ihren Stimmzettel - wie hierzulande auch - zuerst in einen speziellen Umschlag stecken und dann per Post an das für ihren Wohnsitz zuständige Wahlamt schicken.

Jaye Bakalars von der Poststelle im Lager Grafenwöhr hat in diesen Tagen viel zu tun. "Wir haben den Eindruck, dass sich diesmal mehr Leute an den Wahlen beteiligen", sagt er. Genaue Angaben zu den abgegeben Stimmen kann auch er nicht machen. In den Vereinigten Staaten wird die Wahlbeteiligung zum Schutz der Persönlichkeitsrechte nicht ermittelt. Wahltag ist am 2. November, die Zeit drängt: Seit Montag werden die Unterlagen per Express in die Vereinigten Staaten geschickt.

Spätestens in zwei Tagen sollen sie vor Ort sein. Einige Bundesstaaten gewähren Briefwählern eine Verspätung von bis zu acht Tagen. Offiziell ist das Ergebnis erst, wenn auch diese Fristen verstrichen und alle Stimmen berücksichtigt worden sind.

"So viele Bundesstaaten es gibt, so viele verschiedene Verfahren gibt es", erklärt Schedl. Seit sie mit der Wahl befasst ist, ist sie zu einer Expertin für US-Wahlsysteme geworden. Wenn sie nicht mehr weiter weiß, hilft der "Voting Assistance Guide". In dem 369 Seiten dicken Wälzer sind die Wahlverfahren aller Bundesstaaten ausführlich beschrieben.

Im Staat New York beispielsweise sieht der Stimmzettel aus wie ein Multiple-Choice-Test, in Colorado gibt es Lochkarten und in Florida Wahlautomaten. Von Wahlapparaten ist Grafenwöhr verschont geblieben. Für die Briefwähler gibt es einheitliche Stimmzettel - egal aus welchem Bundesstaat sie kommen.

Auch der Wahlkampf geht an den Amerikanern in der Oberpfalz weit gehend vorbei. Politische Meinungsbekundungen sind für Soldaten wie Zivilbeschäftigte im Dienst streng verboten. Eine Wahlparty - für welchen Kandidaten auch immer - wird es nicht geben. Die Militärgemeinde gibt sich leidenschaftslos, befolgt strikt den "Hatch Act" - ein Gesetz, das von den Angehörigen der Armee neutrales Verhalten verlangt.

Freilich bleiben die Soldaten in ihrer persönliche Entscheidung frei. "Die Militärs tendieren eher zu den Republikanern", weiß die Sprecherin der US-Armee in Grafenwöhr, Susanne Bartsch. "Wie die Soldaten in der Oberpfalz gewählt haben, wird niemand sagen können", erklärt Bausch. Fest steht nur, dass sie die Wahl entscheiden können. Bei der letzten Wahl gaben schließlich nur 537 Stimmen den Ausschlag für den Sieg von George W. Bush.

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