"Hydraulische Stimulation" im KTB-Bohrloch
Fracking ein alter Hut in der Region

Zurück an alter Wirkungsstätte: Der Geowissenschaftler Rolf Emmermann kam zu einem Drehtermin mit einem Kamerateam an den KTB-Bohrturm in Windischeschenbach. Er leitet ein wissenschaftliches Projekt zum Fracking und kommt als Experte in einem "Panorama"-Beitrag zu Wort. Bild: Götz
Windischeschenbach. (za) Frackingin der Oberpfalz? Rolf Emmermann hat von dem Vorhaben gehört. Ein alter Hut für den Geologie-Professor. Der 74-Jährige war wissenschaftlicher Direktor und Forschungs-Koordinator des Kontinentalen Tiefbohrprogramms (KTB) in Windischeschenbach (Kreis Neustadt/WN). Dort haben die Forscher auch gefrackt - für die Wissenschaft, nicht zur Gasförderung.

"Wir haben das ,hydraulische Stimulation' genannt", erzählt Emmermann bei einem Besuch vor wenigen Tagen an seiner alten Wirkungsstätte. Auf der Bergkuppe thront über der Zoigl-Hochburg der 83 Meter hohe Bohrturm. Heute ein Denkmal, vor mehr als zwei Jahrzehnten für Geologen der Nabel der Welt. 9101 Meter tief fraßen sich die Bohrer ins harte Gestein - eine der tiefsten Bohrstellen rund um den Globus.

Den Wissenschaftlern ging es aber nicht um die Rekordjagd. Die große Tiefe, in der eine Temperatur von 265 Grad Celsius herrscht, war eine Herausforderung, die die Technik an ihre Grenzen führte. Die Bohrung gab Aufschlüsse über die Verhältnisse im Gestein und machte den Weg frei für Experimente im Bohrloch. So auch für die "hydraulische Stimulation".

Die Geologen lösten mit Wasserdruck - ohne chemische Zusätze - im Loch der Hauptbohrung Mikro-Erdbeben aus. Das Bohrloch der etwa 200 Meter davon entfernten Vorbohrung diente der seismischen Messung. "Wie fest sind die Gesteine. Wie brechen sie?" Emmermann nennt die Fragen der Forscher. "Da haben wir sehr viel Grundlagenerfahrung gesammelt." Etwa über die Stabilität der Erdkruste und über Erdbeben.

Zusammen mit dem renommierten Geowissenschaftler reiste ein Kamerateam des Norddeutschen Rundfunks in die Oberpfalz. Dessen Thema für einen Beitrag in der Sendung "Panorama" (4. September um 21.45 Uhr in der ARD): Fracking bei der Gasförderung. Nicht im Weidener Becken, sondern allgemein. Rolf Emmermann ist inzwischen Präsidiumsmitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) und Leiter des Projekts "Hydraulic Fracturing - Eine Technologie in der Diskussion". Ziel des Projekts ist laut Acatech, "einen umfassenden Überblick über Potenziale und Grenzen der Technologie zu geben und damit die Informationsbasis für die öffentliche Debatte zu verbreitern".

Zündstoff der Forscher

Die etwa zwei Dutzend daran beteiligten Wissenschaftler wollen in den nächsten Tagen einen Bericht zum Thema Fracking vorlegen. Angesichts der aufgeheizten Diskussion in der Politik und in betroffenen Regionen dürfte das für Aufsehen sorgen. "Fracking ist eine Technologie, die Risiken birgt, aber auch Chancen", sagt Emmermann. Fracking werde zwar in der Diskussion meist mit Chemikalieneinsatz bei der Schiefergas-Förderung in den USA in Verbindung gebracht. Doch die Technologie sei etwa auch bei der Erdwärmenutzung (Tiefengeothermie) oder der Grundwassererschließung gefragt.

Ergebnisse aus dem Papier will der Projektleiter noch nicht nennen, und auch mit seiner Meinung hält er aus Rücksicht auf die beteiligten Kollegen hinterm Berg. Nur zu seinem eigenen Anspruch in der Debatte lässt sich der Tiefbohr-Pionier zitieren: "Wenn es Risiken gibt, die aus unserer Sicht nicht beherrschbar wären, würden wir nicht zu einer weiteren Erprobung der Technologie raten."
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