20.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

"Ice Bucket Challenge": Hilfe für guten Zweck statt bloßer Internet-Jux Promis duschen eiskalt

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat es hinter sich, Microsoft-Gründer Bill Gates, Justin Timberlake, Oprah Winfrey und Lady Gaga. Seit Tagen rauschen Videos der "Ice Bucket Challenge", der Eiseimer-Herausforderung, durch das Internet und um die Welt. Jetzt schwappt der Trend aus den USA nach Deutschland.

Auch Bill Gates begoss sich mit Eiswasser. Der Microsoft-Gründer baute sich dazu eigens ein Gestell, in dem der Eimer hing. Screenshot: üd
von Agentur DPAProfil

Das Prinzip: Vor laufender Kamera schütten sich die Teilnehmer einen Eimer Eiswasser über den Kopf und stellen dann das Video ins Internet. Im Video nominieren sie zuvor drei Kandidaten, ebenfalls mitzumachen oder für den guten Zweck zu spenden.

Die Aktion soll auf die seltene Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) aufmerksam machen. Wer die Dusche gemeistert hat, darf gerne trotzdem spenden. So wie US-Schauspieler Martin Sheen ("Two and a half Men"), der in seinem Eimer kein Eiswasser, sondern gleich 10 000 Dollar hatte, die er für den guten Zweck geben wollte.

Früher hefteten sich die Leute Schleifen als Zeichen an die Jacke, zum Beispiel rote im Kampf gegen Aids. Das Internetvideo ist die moderne Variante, die der Krankheit und den Prominenten Schlagzeilen bringt. Von der Methode her erinnert der neue Trend allerings an ein Trinkspiel, das kürzlich ebenfalls im Internet die Runde machte. Dieses Mal hat der Jux allerdings einen ernsten Hintergrund. Die amerikanische ALS-Organisation schreibt es dem erkrankten Ex-Baseballspieler Pete Frates zu, dass die Aktion zum Internet-Hit wurde - und freut sich über steigende Spenden.

ALS: unheilbar und tödlich

ALS ist in den USA als Lou-Gehrig-Syndrom bekannt, benannt nach dem gleichnamigen Baseballspieler, der 1941 im Alter von nur 37 Jahren an der Krankheit starb. ALS führt zu Nervenzerstörungen und Muskellähmungen. Der Maler Jörg Immendorff starb daran. Der Physiker Stephen Hawking lebt dank künstlicher Beatmung seit Jahrzehnten mit der Krankheit, wie der Berliner Mediziner Thomas Meyer erläutert. ALS sei zwar nicht heilbar, aber zu behandeln, wobei sich der Patient darauf einstellen muss, im gelähmten Körper eingeschlossen zu sein.

Der Neurologe leitet die ALS-Ambulanz an der Charité-Klinik. Deren Mitarbeiter würden überwiegend durch Spenden finanziert. "Was fehlt, ist eine öffentliche Förderung der ALS-Therapieforschung", sagt Meyer. Die Eiswasser-Aktion findet der Mediziner "genial". Es gebe bereits erste Spenden, die die Ambulanz erreichten. Und wer wird nun als nächster vor der Kamera nass? "Wir arbeiten daran."

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