16.08.2010 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Im kleinen Ort Meisthof häuften sich vor 89 Jahren tragische Unfälle Unglückssommer 1921

Das Dorf Meisthof an der Luhe gehört seit 32 Jahren zum Markt Luhe-Wildenau. 1800 hatte Meisthof 31 Einwohner, 1861 fünf mehr. 100 Jahre später war die Bevölkerungszahl auf 17 gesunken und 2010 auf 18 leicht angestiegen. An sich ist dies nicht weiter aufregend. Wäre da nicht der verheerende Sommer 1921 gewesen, der wie eine Heimsuchung über den Ort kam.

von Autor SEFProfil

Die Viehhaltung vor 100 Jahren ist nicht mit der heutigen zu vergleichen. Die Rinder wurden im Sommer hauptsächlich mit Klee, frischem Gras, Heu, Runkel- und Dorschenblättern gefüttert. An den Feld- und Wegrainen sichelten die Frauen der Kleinhäusler und Gütler die Halme ab und luden sie in eine Kirm, einen geflochtenen Rückentragekorb. Im Winter gab es nur Strohhäcksel mit etwas Heu und für die Schweine mit warmem Wasser abgebrühtes "Gsott", das aus kurz geschnittenen Getreideabfällen, Stroh, Spreu und dergleichen bestand.

Stroh wäre die bestmögliche Einstreu gewesen, doch war es dafür zu wertvoll. Vielmehr diente es als energiereiche Beimischung zum Heu und Grummet. Lediglich in den Kälberställen verwendete man Stroh, aber da auch nur das rauere "Ruggstraouh" (Roggenstroh). Jeder freie Tag wurde deshalb genutzt, um im Wald Einstreu zu gewinnen, was heutigen ökologischen Gesichtspunkten völlig widerspricht.

Im Sommer 1921 machte sich auch der 62-jährige Landwirt Paul Irlbacher, der in Meisthof einen ansehnlichen Hof bewirtschaftete, samt Gesinde mit einem Pferdegespann auf den Weg zur etwa sechs Kilometer entfernten Diensthütte bei Neudorf. Er hatte vom Forstoberverwalter Johann Zanner die Erlaubnis zum Streusammeln im Staatswald erhalten. Was eigentlich eine gefahrlose und seit Jahrzehnten eingeübte Routinetätigkeit war, erwies sich an diesem Tag als Verhängnis. Die Einzelheiten können wir einem Bericht des "Oberpfälzischen Kuriers" vom 28. Juli 1921 entnehmen:
"Am 26. Juli stürzte der Ökonom Paul Irlbacher von Meisthof, ein weitbekannter und hochangesehener Mann, nachmittags um vier Uhr beim Streuaufladen im Wald vom Wagen, wobei er sich eine Sprosse des rückwärtigen Wagengatters in den Unterleib stieß. Dieser schweren inneren Verletzung erlag der kräftige Mann nach kaum einer halben Stunde. So ist Paul Irlbacher rasch und unerwartet seinen im Weltkrieg gefallenen Söhnen Georg (1916) und Johann(1917) in die Ewigkeit gefolgt.

Vierfacher Familienvater

Paul Irlbacher, geboren in Seibertshof, hatte 1883 in den Hirmer-Hof, Meisthof Nr. 1, eingeheiratet. Ehefrau Margarethe schenkte ihm drei Söhne und eine Tochter. Nach dem tragischem Tod des Bauern führte die Witwe das Anwesen weiter, bis sie es 1934 an den jüngsten Sohn Joseph übergab.

Am 31. Juli 1921 vermeldete der "Oberpfälzische Kurier" weitere Hiobsbotschaften:

"Nachdem am 18. Juli ein Luher Bürgersmädchen (Eva Kick - 18 Jahre alt) auf freiem Feld von einem Blitz tödlich getroffen und am 26. Juli der Ökonom Paul Irlbacher aus Meisthof durch einen unglücklichen Sturz vom Wagen Opfer des Todes geworden waren, durcheilte gestern unseren Markt eine weitere schreckliche Trauerkunde: Joseph Stangl, 18-jähriger Dienstknecht bei Michael Reichenberger, ein braver Jüngling und fleißiger Arbeiter, fand beim Baden in der Naab sein frühes Ende!"

Bekanntes Marterl

Für Eva Kick errichteten die Eltern ein Marterl. 2007 wurde es von Malermeister Thomas Lingl fachgerecht restauriert. Es steht nahe der Kreisstraße NEW 28. Der Oberpfalzverein hatte sämtliche Kosten der Wiederherstellung übernommen. Damit nicht genug: Auch in Nabburg ereignete sich im Juli 1921 ein schwerer Unfall:

"Als der Bauer Breitschaft von Lissenthan mit seinem Fuhrwerk am Lagerhaus beim Nabburger Bahnhof hielt, scheuten die Pferde vor einem einfahrenden Zug und gingen durch. Hierbei wurde der Ökonom an eine Mauer gedrückt und erheblich verletzt (Oberpfälzischer Kurier, 28. Juli 1921)."

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