In Aschaffenburg mit Pistole ohne Patronen abgedrückt - Frau sollte bei Drogendeal sterben
Oberpfälzer Rocker 20 Jahre nach Mordversuch festgenommen

Hier befand sich das Clubhaus der Rockergang in Landkreis Schwandorf. Die kriminellen Machenschaften der Gang beschäftigen die Polizei bis heute. Archivbild: Götz

Wilde Zeiten damals in der Oberpfalz. Erst eine Schießerei unter zwei rivalisierenden Rockergangs, dann Drogenprozesse unter hohen Sicherheitsvorkehrungen. Zwei Jahrzehnte später hat einen der damaligen "Kuttenträger" die Vergangenheit eingeholt. Seit Februar sitzt der zwischenzeitlich 45-Jährige aus dem Raum Cham wegen Mordversuchs in Untersuchungshaft.

Wer ein paar Euro zahlt, bekommt im Internet die "wahre Geschichte" eines 1975 bei Roding (Kreis Cham) gegründeten Rockerclubs geliefert. Doch die Fakten sind auch so noch im Gedächtnis. Es gab Auseinandersetzungen am laufenden Band. Gewalt und Alkohol regierten, Waffen und Drogen kamen ins Spiel. In einem sogenannten Clubheim bei Teublitz (Kreis Schwandorf) bahnten sich dann vor weit über einem Jahrzehnt massive Übergriffe an. Schüsse fielen, Männer preschten auf ihren Maschinen davon, ein Mordversuch stand später zur Debatte.

Wie die Bank von England

Es kam zu Prozessen vor dem Amberger Landgericht. Nicht nur deswegen. Irgendwann ging es auch um Rauschgift. Eines blieb dabei besonders in Erinnerung: Das Amberger Gerichtsgebäude wurde gesichert wie die Bank von England. Im Jahr 2001 gab es erneut Schlagzeilen. Diesmal aus Cham. Einer aus dem Rockerkreis, damals 33 Jahre alt, hatte in Cham Thujapflanzen ausgraben wollen und war vom Gärtner gestört worden. Er zog eine Pistole und wollte auf den wehrlosen Mann feuern. Doch der Schuss löste sich nicht.
Regensburger Richter stellten sich damals auf den Standpunkt, das sei ein klarer Mordversuch gewesen. Sie brachten den Pflanzendieb bis 2008 hinter Gitter. Jetzt ist erneut eine Lawine losgetreten. Zwei Jahrzehnte nach einem versuchten Tötungsdelikt nahmen Kripofahnder den heute 45-Jährigen aus dem Kreis Cham fest, brachten auch dessen mutmaßlichen Komplizen aus Hessen hinter Schloss und Riegel. Völlig überraschend für die beiden Männer, die niemals damit gerechnet hatten, dass ihre in einem Waldstück nahe der fränkischen Stadt Aschaffenburg begangene Tat noch auffliegen würde.

Man schrieb das Jahr 1993, als der seinerzeit 25-jährige Rocker aus dem Bayerwald zusammen mit einer 35 Jahre alten Regensburgerin nach Aschaffenburg fuhr, um ein von ihm eingefädeltes Drogengeschäft abzuwickeln. Die Frau hatte 10 000 Mark dabei, es ging um Heroin.

Dann, so erfuhr die Kripo durch ein im Oktober 2012 eingegangenes Schreiben, geschah Unvorhergesehenes. Der aus dem Raum Darmstadt angereiste Dealer, damals 29 Jahre alt und ein Knast-Bekannter des Chamers, fiel über die Rauschgiftkundin mit einer Drahtschlinge her und versuchte, sie zu erwürgen. Dann griff der ebenfalls mit im Wagen sitzende 25-Jährige zur Handtasche der Frau, holte eine darin liegende Pistole heraus und drückte ab. Doch es fiel kein Schuss. Der Grund: Das Opfer des Übergriffs hatte vorher alle Patronen aus dem Magazin entfernt.

Flucht in die Oberpfalz

Der heute 55 Jahre alten Frau gelang die Flucht, sie rannte in den Wald und fuhr per Taxi zurück in die Oberpfalz. Später klang das Verbrechen von Aschaffenburg zwar in einem der Rocker-Prozesse an. Doch die als Zeugin gehörte Frau mochte keinerlei Angaben dazu machen. Wer nun, 20 Jahre später, die neuen Ermittlungen auslöste, haben die Behörden nicht mitgeteilt.
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