14.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

In einigen Gemeinden ist kein Feiertag Der Himmelfahrt so nah

Bild: Hartl
von Redaktion OnetzProfil

Amberg-Sulzbach. (upl) Der Feiertag Mariä Himmelfahrt ist zum Greifen nah. Doch für acht Landkreisgemeinden fällt das lange Wochenende aus. Während die Bewohner der katholisch geprägten Kommunen schon am Freitag in den Biergärten sitzen, müssen die Illschwanger, Birgländer, Hirschbacher, Etzelwanger, Neukirchener, Weigendorfer, Königsteiner und Edelsfelder brav zur Arbeit gehen.

"Ein Krampf ist diese regionale Differenzierung", schimpft Bürgermeister Hans-Jürgen Strehl aus Edelsfeld. "Heutzutage sollte das nicht mehr nötig sein, dass man so einen Unterschied macht." Er plädiert dafür, dass Feiertage bayernweit gelten. "Dann wissen die Leute, wie sie dran sind."

Missverständnisse

In seiner Heimatgemeinde kommt es wegen der Besonderheit im bayerischen Feiertagsgesetz immer wieder zu Unstimmigkeiten. Beispiel Fußball. "Da wurde zum Beispiel schon mal am 15. August einfach ein Spieltag angesetzt. Das ist für alle, die an diesem Tag arbeiten müssen, undenkbar. Die Spieler können ja nicht für ein Kreisliga-Spiel extra Urlaub nehmen." Derjenige, der den Spielplan festgelegt hat, wohnt im (katholischen) Landkreis Schwandorf. "Er ging davon aus, dass an Mariä Himmelfahrt jeder frei hat."

Zwar haben viele evangelische Christen aus der Gemeinde an diesem Freitag Urlaub eingetragen. Die meisten jedoch müssten ihrer ganz normalen Arbeit nachgehen. Einer der wichtigsten Arbeitgeber für die betroffenen Gemeinden sind die Eckart-Werke in Hartenstein (Kreis Nürnberger Land). Bei dem Hersteller von Metallic-Pigmenten für die Lack- und Farbenindustrie laufen an Mariä Himmelfahrt ganz normal die Bänder. Auch im Edelsfelder Rathaus sind die Büros besetzt und Bürgermeister Strehl selbst, der evangelisch ist, ist auch greifbar. "Ich bin ja ehrenamtlicher Bürgermeister. Da arbeitest du sowieso immer."

Gelebte Ökumene

Sonst gebe es zwischen den Konfessionen allerdings keinerlei Probleme, betont der Rathauschef. In Edelsfeld und auch in den Nachbarkommunen werde Ökumene gelebt. Das verdeutlichen unter anderem die Simultankirchen, die von evangelischen und katholischen Christen gemeinsam genutzt werden. Sieben davon existieren noch im westlichen Landkreis: in Eschenfelden, Fürnried, Götzendorf, Illschwang, Kürmreuth, Niederärndt und Frankenhof. Und das Miteinander der Gläubigen funktioniert einwandfrei. Nur das Feiertagsgesetz sorgt jedes Jahr am 15. August für einige Verwerfungen. Es legt fest, dass Mariä Himmelfahrt nur in jenen Kommunen gesetzlicher Feiertag ist, in denen die Katholiken in der Mehrzahl sind. Das trifft für 1704 der 2056 Gemeinden in Bayern zu. Grundlage für die aktuelle Regelung sind die Ergebnisse des Zensus 2011.

Dass das Gesetz geändert wird, erscheint unwahrscheinlich. Eher könnten sich bis zur nächsten Volkszählung schon die Mehrheitsverhältnisse in der Gemeinde Illschwang verschieben. Dort liegt die Zahl der Protestanten nur noch knapp vor der der Katholiken. Der Gemeinde Thüngen (Kreis Main-Spessart) wurde der Feiertag heuer zum ersten Mal zugesprochen, weil es dort laut Zensus vier katholische Einwohner mehr als evangelische gibt. Dass dies seit 2011 längst schon wieder ganz anders sein könnte, spielt keine Rolle.

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