05.11.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Jassir Arafat inszenierte sich immer als Guerillakämpfer

von Alexander Pausch Kontakt Profil

Jassir Arafat gilt als Überlebenskünstler. Doch den letzten Kampf kann selbst der ewige Guerillakämpfer mit der grünen Uniform und der schwarz-weißen Keffija nicht gewinnen. Bereits als Bilder des Palästinenserpräsidenten im blauen Trainingsanzug mit Pudelmütze um die Welt gingen, war Kennern klar, der PLO-Chef ist sehr schwer krank. Möglicherweise war er auch nicht mehr im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte. Denn früher hätte er sich so niemals ablichten lassen.

Zeit seines Lebens inszenierte sich Jassir Arafat. Selbst für seine Biografen blieb er ein Rätsel. Sie drangen nicht zur Person hinter der Fassade des Führers der palästinensischen Nationalrevolution vor. Gezielt versorgte Arafat die Welt mit verschiedenen Versionen über sein Leben. Während er behauptete, in Jerusalem geboren zu sein, sprechen andere davon, sein Geburtsort sei Gaza oder Kairo. Selbst über das Datum gibt es zwei Versionen, den 4. August 1929 und den 24. August 1929.

Wie kein anderer stand und steht der Palästinenserpräsident im Zentrum des Nahost-Konfliktes. 50 Jahre währte sein Kampf, zunächst als Moslembruder, später an der Spitze, der von ihm gegründeten Fatah. Mit sicherem Machtinstinkt und durch ein Netz persönlicher Loyalitäten dominierte er die Palästinensische Befreiungsbewegung (PLO). Als Chef der Autonomiebehörde hielt Arafat an diesem Führungsstil des Guerillakämpfers fest. Alles lief bei ihm zusammen. Mit dem Scheckbuch sicherte er sich seine Gefolgschaft - das Geld stammte aus dem Topf der internationalen Hilfsgelder.

Seinen größten Triumph feierte der Rais (Führer) mit dem Oslo-Abkommen. Der Dank für den Friedensschluss mit Israel war der Friedensnobelpreis. Mit den gescheiterten Verhandlungen von Camp David begann Arafats Abstieg. Sein größter Fehler war, dass er die Gewalt der zweiten Intifada nicht unterband. Der Weg des Terrors stürzte die Palästinenser nur tief ins Elend.

Auch wenn ihn der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon vor Jahren für irrelevant erklärte, Arafat ist und bleibt das Symbol der Palästinenser für ihren Traum vom eigenen Staat. Er selbst träumte davon, auf dem Tempelberg in Jerusalem zu beten. Jetzt soll er zumindest dort beerdigt werden. Die Israelis lässt dies erschaudern.

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