01.07.2010 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Johann Baptist Kick aus Au wurde vor 100 Jahren zum Priester geweiht Der Taubstummenpfarrer

"Der Gesang der Regensburger Domspatzen begleitet mich seit meiner frühesten Jugendzeit. Es war im Mozartjahr 1941, als ich erstmals in Salzburg diesen großartigen Chor in einem Konzert erleben durfte. Das strahlende Sopran-Solo des Laudate Dominum sowie das fröhliche Sopran-Duett aus dem Schauspieldirektor bleiben mir unvergesslich im Gedächtnis." Mit diesen Worten begann Papst Benedikt XVI. am 30. Juli 2005 sein Grußwort zur aktuellen CD der Regensburger Domspatzen.

von Autor SEFProfil

Zu diesem weltberühmten Ensemble, dem ältesten Knabenchor Deutschlands, gehörte vor rund hundert Jahren auch ein Bauernbub aus Au, das später zu Pirk kam aber Teil der Pfarrei St. Martin in Luhe blieb. Der Knabe hieß Johann Baptist Kick und wurde am 22. September 1884 in Neudorf geboren. Neun Jahre lebte er dort mit acht Geschwistern auf dem "Wallerjackl-Hof" Nr. 29 und besuchte die einklassige Schule.

Die Lehrer Theodor Sturm und Anton Heßler sowie später Max Seiler förderten seine musikalische Begabung. 1893 hieß es für den Buben Abschied nehmen vom Heimatort, weil die Eltern Johann und Kunigunde Kick den wesentlich größeren "Paulus-Hof" mit 45 Hektar Grundbesitz in Au geerbt hatten. Die Familie verkaufte ihr Besitztum in Neudorf und zog mit den Kindern um. Nach der vierten Klasse wurde der Zehnjährige Zögling der Regensburger Dompräbende, wohnte im Knabenseminar und besuchte das humanistische Gymnasium.

Studium in Innsbruck

Als Domspatz durfte er unter Domkapellmeister Franz Xaver Englhardt (1891 - 1924) die Pontifikalgottesdienste in der gotischen Kathedrale musikalisch begleiten. Nach dem Abitur begann Johann ein Studium der Philosophie und Theologie in Innsbruck, das er mit der Priesterweihe am 29. Juni 1910, in Regensburg krönte. Der "Oberpfälzische Kurier" berichtete am 2. Juli 1910 darüber: "Heute am Feste der heiligen Apostelfürsten Peter und Paul sowie am Patroziniumsfeste der Hohen Domkirche wurden von Seiner Exzellenz dem Hochwürdigsten Herrn Bischofe Antonius von Henle 28 Diakone zu Priestern geweiht. Morgen Donnerstag reisen die Neugeweihten in ihre Heimat, um dort Primiz zu feiern. Möge allen Herren Primizianten ein recht langes segensreiches Wirken im Weinberge des Herrn zum Segen der Diözese beschieden sein."
Exakt zwei Wochen später war es dann so weit. Neupriester Johann Baptist Kick zelebrierte in der Luher Martinskirche seine Primiz. Anschließend lud er die von weit her geströmten Gäste zum Festmahl in den Gasthof "Zur Krone" (Herdegen) in Luhe ein. Nach Kooperatorenstellen in Marktredwitz, Schwandorf, Vohenstrauß und Regensburg St. Rupert wurde Kick 1923 zum Seelsorger der Heil- und Pflegeanstalt Karthaus- Prüll in Regensburg berufen. Daraus entstand später das Bezirkskrankenhaus. Gleichzeitig übernahm er das Amt des Religionslehrers an der dortigen Taubstummenklasse. Im neuen Betätigungsfeld waren Johann Baptist Kick aber nur acht Jahre vergönnt. Ein schweres Herzleiden - vermutlich die Folge einer nicht auskurierten Grippe - setzte am 22. April 1931 seinem Leben ein frühes Ende. Der 46-Jährige wurde in sein Elternhaus überführt und dort aufgebahrt, weil ein Leichenhaus in Luhe erst nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurde. Eingesegnet wurde der Verstorbene drei Tage später vom Ortspfarrer Josef Kellner. Obermedizinalrat Dr. Eisen, Leiter der Heil- und Pflegeanstalt, und Vertreter des Kreisrates (jetzt Bezirkstages) waren nach Luhe gereist, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen.

Hobbymaler

Pfarrer Johann Baptist Kick hatte auch eine künstlerische Ader. Einige seiner Zeichnungen und Hinterglasbilder werden heute noch von der Familie in Ehren gehalten, was man auch von der bis heute bestens gepflegten Grabstätte behaupten kann.

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