04.09.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Klimaprognose regional - Experte skeptisch Keine Palmen in der Oberpfalz

Nun ist es da: das "Regionalmodell" (Remo), die neueste Klima-Prognose für alle Teile Deutschlands. Die Daten sollen erstmals Vorhersagen über die langfristige Entwicklung von Durchschnittstemperaturen und Niederschlagsmengen bis hinunter auf Landkreis-Ebene ermöglichen, heißt es beim Max-Planck-Institut in Hamberg. Wetterexperten raten bei der Auswertung jedoch zur Vorsicht.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Für die Oberpfalz bestätigen sich auch bei Remo im Großen und Ganzen die bisherigen Annahmen: Die Winter werden wärmer und feuchter, die Frostperiode verschiebt sich Richtung Frühling. Im Sommer gibt es längere trockene Phasen und gleichzeitig öfter heftige Gewitter mit Hagel und Sturm. "Aber es wird noch lange kein Mittelmeerklima oder erhöhtes Palmenaufkommen an oberpfälzischen Straßenrändern geben", erklärt der aus Mitterteich (Kreis Tirschenreuth) stammende Meteorologe Andy Neumaier.

Remo liefert für alle 30 Sekunden der nächsten 92 Jahre detaillierte Klimawerte. Ein Wust von computergenerierten Zahlen, wie Neumaier meint. "Da frage ich mich, warum die herkömmlichen Wettervorhersagen nicht der Vergangenheit angehören." Auch wenn es sich bei der Studie um eine der aufwendigsten weltweit handelt, sei das Fundament recht wackelig. Neumaier betont: "Klima ist Chaostheorie, die der Menschheit noch viele Rätsel aufgibt."

Wörtlich heißt es in der Vorherschau unter anderem: "Die Strahlungsenergie in der Luft kann nur mit erheblicher Unsicherheit errechnet werden. Die bedeutenden Klimaprozesse sind wenig verstanden, etwa der Kreislauf des Wassers zwischen Boden, Luft und Ozean".
CO2-Ausstoß oder nicht - das Klima wandelt sich schon von Natur aus. "Die Temperaturen steigen bereits jetzt, was wir vor allem im Winter merken", erklärt Neumaier. Auch wenn die Dürresommer bislang einen großen Bogen um Weiden, Amberg und Tirschenreuth gemacht hätten, hoben vor allem die milderen Winter die in der Region vorherrschende "Jahresmitteltemperatur" an. Neumaier ist überzeugt: Dieser Trend wird sich noch weiter fortsetzen. "Merken werden wir die Folgen der steigenden Temperaturen bei uns vor allem im Winter und Frühjahr."

Wasser ist vom Temperaturverhalten her sehr träge. Es erwärmt sich langsam, kühlt aber auch langsamer ab. "So kommt es, dass bei höheren Erdtemperaturen der Winterabschnitt in der Oberpfalz immer später eintritt, da sich der Wettermotor Atlantik im November noch nicht soweit zurückgekühlt hat wie das früher der Fall war. Erst im Februar haben wir somit in etwa Werte erreicht, die mit einem November von vor 30 Jahren zu vergleichen sind."
Zudem würden die Schneemengen geringer, und der "winterliche Wetterabschnitt" deutlich kürzer. "Remo" geht davon aus, dass es in der Periode zwischen 2031 und 2060 nur noch wenige Schneetage im Bayerischen Wald und im Fichtelgebirge gibt. In den Niederungen der Oberpfälzer Flusstäler sollen Schneeflocken nur noch in Ausnahmefällen liegenbleiben. Dennoch dürften weiße Weihnachten auch an der Naab nicht für immer ausgeschlossen sein. "Früher gab es auch schon Jahre, die sich gegenüber dem Durchschnitt als außergewöhnlich darstellten", sagt Neumaier.

So ist auch in Zukunft möglich, dass wir ein Jahr erleben, wie wir es uns wünschen: angenehme Wärme im Sommer, und einen Winter mit Eis und Schnee. Leider sinken eben nur die Wahrscheinlichkeiten dafür. Neumaiers Credo: "Wir alle werden den Klimawandel meistern, allen voran Mutter Natur. Der einzige, der sich wirklich anpassen muss, ist der Mensch - auch in der Oberpfalz".

Weitere Informationen im Internet: umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3513.pdf

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