28.04.2007 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

"Kontraste" - eine Ausstellung in Regensburg führt Kunst und Handwerk zusammen Teppichbilder, Tortenskulpturen und Trophäen

von Susanne WolkeProfil

Regensburg.Lange Zeit musste die bildende Kunst um ihre Anerkennung kämpfen: Das ganze Mittelalter hindurch galten Malerei oder Bildhauerei als Handwerk. Erst Künstler - aber diese Bezeichnung war damals nicht selbstverständlich - wie Michelangelo oder Raffael erreichten es in der Renaissance, in den Status der artes liberales, der freien Künste, erhoben zu werden.

Mittlerweile haben sich die Zeiten geändert. Kunst und Handwerk, über Jahrhunderte hinweg ein und dasselbe, gelten als Gegensätze. Ihre Vereinigung in einer gemeinsamen Ausstellung ist ein Experiment. In Regensburg hat man sich an dieses Experiment gewagt: "Kontraste", so der bezeichnende Titel einer gemeinsamen Schau der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz und der Ostdeutschen Galerie, die derzeit im Donau-Einkaufszentrum zu sehen ist. Gezeigt sind acht offene Zweierbeziehungen- jeweils zwischen dem Werk eines Künstlers und dem eines Handwerkers aus der Region. Gemeinsame Grundlage ist stets das Material: Stoff, Glas, Ton, Holz, Plastik, Gold, außerdem Lebensmittel und Fotografie.

Das Ergebnis sind teils ungewöhnliche Konstellationen. Während etwa die Textildesignerin Lina-Andrea Dippel großformatige malerische Doppelgewebe gestaltet, führt die Künstlerin Renate Höning das Wort "Stoff" ad absurdum: In altbewährter handarbeitlicher Manier häkelt sie Unterwäsche - allerdings nicht aus Garn, sondern aus Eisendraht.

Mit Lebensmitteln beschäftigen sich die Künstlerin Susanne Gatzka und die Konditorin Christine Bergmayer. Erstere präsentiert in ihrer Installation "Mit dem Essen spielt man nicht" witzige Einzelelemente: "Brotlose Kunst" zum Beispiel - ein Foto von dicken Würsten ohne Beilage. Oder "Trophäen einer Jagd nach Glück" - die übrig gebliebenen Pappunterseiten von verzehrten Schokoladenkäfern. Christine Bergmayer dagegen kreiert Torten. "Die schönsten Tortenskulpturen Regensburgs" heißt es über diese akkuraten Meisterwerke. Der Übergang zwischen Handwerk und Kunst ist hier fließend.

"Gute Kunst hat das Handwerk zumindest als Voraussetzung", so Hans Stark bei der Eröffnung der Ausstellung. "Und als Handwerker ist man nur innovativ, wenn man kreativ ist." Der Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz verwies damit etwa auf die atmungsaktiven Weingläser der Familie Eisch. In der Ausstellung "Kontraste" stehen sie neben den schwebenden Gefäßobjekten des Glaskünstlers Franz Xaver Höller.

Mit ihrem Experiment hoffen die Aussteller, Schule zu machen. "Hier sind erstmals zwei Säulen im Kulturverständnis der Region zusammengeführt", so Dr. Ulrike Lorenz, Direktorin der Ostdeutschen Galerie. "Vielleicht nimmt die ein oder andere Institution das auf."

Die Ausstellung "Kontraste - KunstHandwerk in der Region" ist bis zum 12. Mai im Donau-Einkaufszentrum in Regensburg zu sehen. Der Eintritt ist kostenlos.

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