01.08.2007 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kräftiger Aufschlag: Landwirte profitieren nicht Milchpreis-Rätsel

Die bayerischen Bauern und ihr Milch-Dilemma: Noch vor wenigen Wochen gingen die Landwirte für einen gerechteren Lohn auf die Straße. Jetzt erhöhen die Lebensmittelketten die Preise an den Ladentheken. Doch bei den Milchbauern soll nichts ankommen.

"Irgendwer steckt das Geld schon ein. Die Bauern kriegen jedenfalls so gut wie nichts.": Franz Kustner, Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes.
von Uli Piehler Kontakt Profil

"Irgendwer steckt das Geld schon ein", sagt der Oberpfälzer Bauernverbandschef Franz Kustner aus Ehenfeld (Kreis Amberg-Sulzbach), der auch Vorstandsvorsitzender der Regensburger Milchwerke ist. "Die Bauern kriegen jedenfalls so gut wie nichts." In den vergangenen Wochen habe es geringfügige Erzeugerpreiserhöhungen um bis zu fünf Cent pro Liter gegeben. Dabei handelte es sich aber im Großen und Ganzen um saisonal übliche Preisschwankungen.

In Jetzt-Zeit gelandet

Im Prinzip hat Kustner nichts gegen die höheren Preise. Er wies darauf hin, dass es sich bei den bevorstehenden Erhöhungen lediglich um eine Angleichung des Preisniveaus an die Jetzt-Zeit handele. Die Milchpreise bewegten sich bislang auf dem Level der 70er Jahre. Im Gegensatz zu anderen Branchen seien die Preise für Milcherzeugnisse in den vergangenen Jahrzehnten eher gesunken - bei gleichzeitig gestiegenen Erzeugungs- und Lebenshaltungskosten.

Milchviehhalter Werner Reindl aus Ellenbach (Kreis Neustadt/WN) bestätigt diese Entwicklung. Der Preisdruck habe viele Berufskollegen in den wirtschaftlichen Ruin getrieben. Dabei gebe es längst keine "Milchseen" mehr. Nicht nur für die Landwirte, sondern auch für die Verbraucher sei es wichtig, dass qualitativ hochwertige Milch in der Region erzeugt wird.

Die Bauern bekommen nun Rückendeckung vom Bund Naturschutz (BN). "In der Milchindustrie läuft einiges schief", sagte BN-Vorsitzender Hubert Weiger. "Aber nicht so, wie uns die großen Milchkonzerne weismachen wollen. Fakt ist: Große Konzerne und Discounter drücken seit Jahren die Preise und machen damit die Milchbauern kaputt."

Fehlgeleitete Subventionen

In der Vergangenheit seien vor allem Subventionen fehlgeleitet worden. Fast eine Milliarde Euro staatlicher Subventionen sei den großen Konzernen 2006 für den Export von Milchüberschüssen ausbezahlt worden. Die Fördermittel müssten weg von den Konzernen und hin zu einer bäuerlichen, umweltgerechten Landwirtschaft.

Weiger: "Höhere Milchpreise für die Bauern sind notwendig, damit Kühe wieder auf die Weide kommen und nicht als krankheitsanfällige Hochleistungskühe in Milchfabriken vegetieren."

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